Wien

Weinseligkeit und schaurig-schöne Friedhöfe



Detlef PlasierDetlef Plaisier
FeWo-direkt Reiseexperte

 

Unterwegs in Wien: Weinseligkeit und schaurig-schöne Friedhöfe

Schon Karl Kraus sagte, dass Wiens Straßen mit Kultur gepflastert sind. An jeder Ecke warten Denkmäler und Bauwerke, die ihre ganz eigene Geschichte erzählen. Doch der echte Wiener Charme, das Leben zwischen Barock und Moderne und die Unverfälschtheit der österreichischen Hauptstadt warten in den versteckten Ecken und abseits der großen Sehenswürdigkeiten.

Unterwegs auf den Wiener Friedhöfen

Die Wiener Friedhöfe werden bei einer Stadtbesichtigung fast immer ausgelassen. Touristen statten allenfalls dem Friedhof St. Marx einen Besuch ab, denn hier fand Wolfgang Amadeus Mozart seine letzte Ruhestätte. Doch es lohnt sich auch, die anderen Friedhöfe der Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie sind ein Stück der Wiener Stadtgeschichte mit historischen Denkmälern und prominenten Grabstätten. Ihre erste Anlaufstelle sollte der Zentralfriedhof sein. Dieser ist ähnlich wie ein Park angelegt. Auf mehr als zwei Quadratkilometern Fläche befinden sich über 300.000 Gräber. Fragen Sie nach den Ruhestätten von Franz Schubert, Arthur Schnitzler und Ludwig van Beethoven. Auch die österreichischen Bundespräsidenten werden hier begraben. Auf dem Hietzinger Friedhof kann man die Grabstätten von Otto Wagner und Gustav Klimt besuchen, auf dem Grinzinger Friedhof fand Gustav Mahler seine letzte Ruhe. Aber auch ohne prominente Namen erzählen die Wiener Friedhöfe ihre Geschichte, wie zum Beispiel der Friedhof der Namenlosen am Donauhafen. Hier wurden Menschen ohne Identität beerdigt, die bis 1940 am Donauufer angeschwemmt wurden.

Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?

Schon der Sänger Rainhard Fendrich stellte diese Frage. In der Nacht zeigt sich die Kulturstadt von ihrer ganz besonderen Seite. Damit ist aber nicht das typische Nachtleben gemeint. Zwar hat auch Wien viele Clubs und Szenelokale, aber das wirkliche nächtliche Wien liegt ganz woanders. Der Naschmarkt und seine umliegenden Bezirke haben sich auf das Essen nach Mitternacht spezialisiert. Während andere Restaurants schon weit vor Mitternacht schließen, laufen die Köche hier erst spät zur Höchstform auf und bieten bis in den frühen Morgen hinein eine exzellente Küche. Ein echter Geheimtipp ist das „Europa” im 7. Wiener Stadtbezirk, welches von 9 Uhr früh bis 5 Uhr geöffnet hat. Hier können Sie gut speisen und auch regelmäßig an Events wie Kunstauktionen teilnehmen oder das Tanzbein schwingen. Eine nächtliche Fahrt mit dem Fiaker ist ebenfalls ein besonderes Erlebnis. Ein Stopp an einem der Wurststände ist dabei ein Muss.

Die Weinkeller der Stadt Wien

Nicht nur Weinkenner kommen bei einer Tour durch die Wiener Weinkeller auf ihre Kosten. Die Zeiten, in denen man in den Kellern nur Wein probieren konnte, sind längst vorbei. Überall wartet die Erlebnisgastronomie mit Führungen, kulinarischen Events und einer stilvollen Atmosphäre. Der älteste Weinkeller der Stadt ist der Villon-Keller. Über vier Etagen werden Besucher 16 Meter unter die Erde geführt. Hier hören Besucher in schummriger Atmosphäre und bei einem guten Glas Wein einen Vortrag über die Geschichte des Kellers. Faszinierend ist das Archiv im Weinkeller des Palais Coburg. In den Gemäuern aus dem 16. Jahrhundert lagern auf über 700 qm knapp 60.000 Flaschen edlen Champagners. Damit beherbergt der Keller eine der wertvollsten Sammlungen der Welt. Begehbar ist der mittelalterliche Weinkeller des Restaurants Artner am Franziskanerplatz. Er ist Heimat vieler Weine aus Niederösterreich und lockt mit einer Mischung aus modernem und antikem Ambiente.