Edinburgh – eine Stadt mit Charakter

Zum nunmehr fünften Mal stehe ich auf dem Carlton Hill und genieße den Ausblick über das anmutige Edinburgh. Jedes Mal, wenn ich hier bin, zieht es mich an diesen Aussichtspunkt. Und jedes Mal wenn ich hier bin, zieht mich diese Stadt erneut in ihren fast schon mystischen Bann: Alles, was sie dazu braucht, ist ihren charaktervollen Charme und ihre ganz besonders schwerfällige aber doch so entzückende Architektur aus groben Stein und noch mehr Stein. Edinburgh ist eine meiner Lieblingsstädte und damit eine Stadt, die ich jedem wärmstens empfehlen kann. Begleitet mich auf einen Tag in Edinburgh.

Aussicht Edinburgh_Carlton Hill

 

Edinburgh erleben: Charakter und Vielfalt

Wenn ich in Edinburgh bin, verzichte ich auf öffentliche Verkehrsmittel. Zum einen, damit ich die Stadt förmlich aufsaugen kann und zum anderen, weil die Stadt gerade noch klein genug ist, um sie als fitter Mensch auch zu Fuß erkunden zu können. Außerdem habe ich in Edinburgh schnell viele kleine, urige Gassen und Gänge kennengelernt, die mich ohnehin schneller ans Ziel bringen als ein Bus.

Was mich besonders an dieser Stadt fasziniert ist der Mix aus alt und neu, Tradition und Moderne. Das Zentrum besteht aus zwei parallel zueinander liegenden Teilen: der geschichtsträchtigen Old Town und der jüngeren New Town. Zur New Town zieht es mich, wenn ich zum Beispiel Kleidung shoppen möchte, coole Cafés suche oder mal in moderne Pubs gehe. Meist aber bin ich in der majestätischen Old Town unterwegs. Die mag mich und meine Kamera vielleicht schnell als Tourist entlarven, erzählt dafür aber tolle Geschichten.

Als erstes schlendere ich zur Royal Mile, der Straße zwischen Schloss im Norden und Parlament im Süden. Hier bekomme ich Souvenirs für die Lieben daheim. Für meine Mama besorge ich Shortbread, ein typisch schottisches und sehr buttriges Gebäck für die Teezeremonie, Papa kaufe ich einen schönen Cashmereschal mit typischem Tartan-Muster. Tartans sind die schottischen Webmuster der Tracht, die einst die Zugehörigkeit zu einem Clan zeigten.

Edinburgh_Forrest Road




Edinburgh erleben: Die besten Aussichtspunkte

Wie zu Beginn erwähnt, ist mein absoluter Lieblingsplatz in Edinburgh wohl der Carlton Hill. Hier komme ich her, um Kraft zu tanken oder hoch über den Dächern der Stadt herumzualbern. Außer der Mühe von ein paar Treppenstufen kostet mich das nichts. Von hier habe ich eine wundervolle Aussicht über die Stadt in ihrer ganzen Pracht. Der Carlton Hill ist ein echtes Idyll in der Stadt, obwohl er am Ende der Prince Street, der kommerziellen Shoppingmeile und wohl befahrensten Straße Edinburghs, liegt.

Edinburgh_Carlton Hill

Einen fantastischen Blick über die Stadt hat man außerdem vom Scott Monument, das ebenfalls an der Prince Street steht. Für die 61 Meter und 287 Stufen bekomme ich von hier einen wahnsinnigen Blick geboten. Der Eintritt kostet 4 £, also umgerechnet ca. 5,50 €.

Edinburgh_Scott Monument_Aussicht

Auch von Arthur´s Seat, dem höchsten Punkt des Royal Park am Ende der historischen Royal Mile, hat man einen tollen Ausblick über die Stadt. Hierher habe ich es bislang aber erst einmal geschafft, da es auf die 251 Meter ein doch recht sportliches Unternehmen und der Blick nicht unbedingt schöner als vom Carlton Hill ist. Atemberaubend finde ich hier aber die Natur. Schon nach wenigen Metern glaube ich, mich in den Highlands, oder gleich doch im Hobbitland zu befinden: Die Wege führen durch saftiges Grün, entlang steiler Klippen und vorbei an alten Ruinen.




Edinburgh erleben: Die Geburtsstätte Harry Potters

Am Nachmittag gönne ich mir ein Stück Kuchen im „The Elephant House“ an der Southbridge in Old Town. Das Café ist nicht nur für seine Kuchen und seine angenehme Stimmung bekannt, sondern vor allem durch den wohl besten Blick aufs Edinburgh Castle. Genau dieser Blick ist es, der J.K. Rowling zu ihren Harry Potter Geschichten auf der Zauberschule Hogwarts inspiriert hat. Tag ein Tag aus saß sie hier und hat genau hier ihre ersten Seiten verfasst. Und wirklich: Während ich so am Fenster sitze, meinen Kaffee schlürfe und auf das Schloss schaue, welches auf einem millionenalten Vulkan sitzt und hinter einem anmutigen Friedhof empor ragt, glaube ich, ich schaue direkt auf Hogwarts. Es würde mich wirklich nicht wundern, wenn ich mich umdrehe und Harry, Ron und Hermine plötzlich hinter mir stehen.




Edinburgh erleben: Der Grassmarket

Das Einzige, was mein Herz noch höher schlagen lassen kann als Edinburgh selbst, ist wohl der Vintageladen W. Armstrong & Son am Grassmarket gleich hinter dem Elephant House. Armstrong & Son ist ein riesiges, vollgefülltes Sammelsurium rund um Vintage und originelle Verkleidung. Auch Bands wie Franz Ferdinand und die Kaiser Chiefs sind hier treue Kunden. Die versteckte Gegend um den Grassmarket war einst eine gefährliche Gegend, in der viel gemordet wurde und auch öffentliche Hinrichtungen stattfanden. Das ist zwar seit dem 18. Jahrhundert schon nicht mehr so, aber ein bisschen von einer dunklen und gefährlichen Atmosphäre schwingt dort tatsächlich noch heute mit.

Markt in Edinburgh




Edinburgh erleben: Das Nachtleben

Zum Abend in Edinburgh gehört für mich ein vernünftiger Pubcrawl dazu. Das heißt, von Bar zu Bar zu ziehen und pro Bar nur ein Bier zu trinken. Ich lande dabei in den kuriosesten Pubs. Am meisten freue ich mich, wenn ich einen erwische, in der Live-Folkmusik gespielt wird und die Gäste ausgelassen mitklatschen. Das ist ziemlich üblich in Edinburgh. Wenn ich Glück habe, lande ich beim Pubcrawl auch bei einem Pubquiz. An jedem Abend unter der Woche finden in der Stadt nämlich etliche davon statt. Dabei treffen sich Locals genauso wie Touristen auf ein oder zwei Bier und beantworten in kleinen Grüppchen eifrig Fragen des Quizmasters. Abgefragt wird alles Mögliche, von Promis, über Geschichte bis hin zu Geographie. Empfehlen kann ich das Quiz am Donnerstag im selbst ernannten kleinsten Pub Schottlands: dem Wee Pub am Grassmarket. Für die Gewinnermannschaft winken hier ganze 50 £, also etwa 68 €.

Meine außergewöhnlichste Erinnerung an Edinburgh fällt aber wohl auf den Ceilidh Tanzkurs am Dienstag. Meine Freundin hatte mir zu dem Abend kurzfristig abgesagt, und obwohl meine Laune im Keller war, ich recht erschöpft, und meine Lust, mich auf fremde Leute einzulassen recht begrenzt war, wurde der Abend zu einem der Besten meines gesamten Aufenthalts in Edinburgh! Ceilidh steht für einen geselligen, traditionell schottischen Abend, an dem zu Live-Musik getanzt wird. Zu Fiedel – also Geige – und Akkordeon wird sich gedreht, geschwungen und geklatscht, bis auch der letzte Miesepeter aufblüht. Keine zehn Minuten nach Beginn des Tanzkurses schoss mir das erste Lächeln über die Lippen und kurze Zeit später lachte ich ausgelassen und klatschte jauchzend zur Musik mit. Der Abend war der Inbegriff einer „jolly good time!".

Edinburgh_North Bridge

Edinburgh ist eine Stadt, wie es sie kein zweites Mal geben kann. Sie brilliert durch einen ganz eigenen Charme aus Geschichte und atemberaubender Architektur und durch Bewohner mit einer verrückten Liebenswürdigkeit. Die Stadt kommt am besten dann zur Geltung, wenn sie grau in grau gehüllt ist: Deswegen fahre ich hier am liebsten im Winter her. Ich kann jedem nur wärmstens ans Herz legen, Edinburgh zu erleben und sich einfach treiben zu lassen.

Pubquiz Übersicht: http://www.pubquizzy.com/index.php/edinburgh/pub-quiz-map

Wee Pub: https://www.facebook.com/TheWeePub

Ceilidh Tanzkurs: http://www.edinburghceilidhclub.com

Scott Monument: http://www.edinburghmuseums.org.uk/Venues/Scott-Monument/About