Alnwick – Erlebe das Harry Potter Castle in Nordengland

Ich stehe in einem urigen Pub im Zentrum von Edinburgh und verstehe mein eigenes Wort kaum. Immer wieder wird mir von allen Seiten zugeprostet, es folgt ausgelassenes Gelächter. Währenddessen versuche ich meiner Gesprächspartnerin mit Händen und Füßen zu entlocken, wie ich morgen am besten zum knapp zwei Stunden entfernten Alnwick Castle komme – dem Schauplatz von Harry Potter und vielen anderen Filmen. Doch sie scheint absolut keine Ahnung zu haben, wovon ich rede: „Oahlnwick? Ich weiß nicht, was du meinst, ich kenne kein Oahlnwick!“. Auf mein vehementes Nachfragen hin überlegt sie dann doch noch mal gründlich und ruft auf einmal ganz überrascht: „Ännik! Ach, Ännik meinst du?“

Na, klar: „Ännik“! So wird das Alnwick Castle – nach dem Windsor Castle der zweitgrößte Adelssitz Englands – nämlich richtig ausgesprochen. In den Wintermonaten wird dieses Schloss tatsächlich noch bewohnt, vom Duke of Northumberland und seiner Familie, den Percys.  


Alnwick Castle – Ein Muss für alle Harry Potter-Fans

Hier, in diesem riesigen, pompösen Schloss, zwei Stunden von Edinburgh entfernt, wohnt also eine echte, noch existierende Adelsfamilie. 2001 und 2002 war das Schloss Schauplatz für die ersten beiden Harry Potter-Filme, Der Stein der Weisen und Die Kammer des Schreckens. Hier wurden die Außenaufnahmen zu Hogwarts – Schule für Hexerei und Zauberei gedreht. Hier haben sich Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson in Harry Potter, Ron Weasley und Hermine Granger verwandelt. Ein Muss also für alle Harry Potter Fans.

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Die Anreise

Von Edinburgh aus nehmen wir für umgerechnet etwa zwölf Euro den National Express nach Alnwick. Dieser Bus fährt drei Mal am Tag von der zentral gelegenen Bus Station Stance 13 ab. Dann schlängelt er sich zwei Stunden gen Süden die Ostküste entlang, runter zum Schloss. Immer wieder machen wir in authentischen kleinen Ortschaften Halt und lassen Passanten zu- oder aussteigen. Endlich bekomme ich einen tollen Eindruck vom umliegenden Land und den Leuten. Zwischendurch tippe ich immer wieder aufgeregt gegen die Scheibe – nämlich dann, wenn wir einen Blick auf die massive Steinbrücke erhaschen, auf der vermutlich schon die Dampflok des Hogwarts Express’ gefahren ist.

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Der erste Eindruck

In Alnwick angekommen, lernen wir sofort besonders nette Leute kennen. Da die Schließfächer vom Schloss handtaschenklein, unsere Reiserucksäcke aber leider riesig sind, dürfen wir diese netterweise beim Nachbarn im Flur abstellen. Dass der am Nachmittag nicht da ist, hindert ihn nicht daran, uns zu helfen: Er überlässt uns einfach kurzerhand seinen Schlüssel. Wahnsinn!

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Als wir in den Schlossgarten schreiten, sind wir sofort entzückt. Alles ist so schön und auf den ersten Blick erkennen wir die Kulissen für verschiedene Szenen aus den Harry Potter-Filmen. Hier, im Garten des Alnwick Castles hatten die kleinen Zauberlehrlinge ihre ersten Besenflugstunden bei Madame Hooch. Ich erkenne den Turm, an dem Neville in der ersten Stunde scheitert und für lautes Gelächter sorgt.

Auch wir melden uns sofort für eine „Broomstick Lesson“ an. Es ist Oktober und außer einigen Kindern, die gerade auf dem Besen fliegen lernen, scheinen wir fast die einzigen im Schloss zu sein. Ich kann nicht anders, als bei dem Wort Northumberland immer wieder an Rosamunde Pilcher zu denken. Die Aussicht ist so edel britisch, es würde mich nicht wundern, wenn gleich ein Jagdreiter in rotem Jackett galoppiert käme. Kein Wunder, denn wie sich zeigt, diente Alnwick Castle schon für Szenen in Downton Abbey als Schauplatz. Auch Teile von Elizabeth (1997) und Robin Hood – König der Diebe (1991) wurden hier gedreht.


Zeit für unsere erste Flugstunde

Sozusagen als Belohnung für die Reise während der Nebensaison haben wir das Glück, eine private Flugstunde bei einem ausgebildeten Fluglehrer nehmen zu dürfen. Wir lernen zunächst, wie der Besen uns auf „Up“ in die Hand fliegt, und später, wie wir selbst souverän auf ihm erste Runden drehen... Es entstehen die Fotos unseres Lebens! Ein großartiger Spaß.

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Eine Führung durchs Innere des Schlosses

Im Inneren des Schlosses darf ich leider nicht fotografieren. Auch hier genießen wir wieder eine Führung ganz für uns allein. Das Interieur ist atemberaubend – und sogar wohnlich! Hier und da stehen gerahmte Bilder der Familie, wie ich es von zu Hause kenne. Die Bibliothek sieht so gemütlich aus, ich würde am liebsten gleich bleiben und stundenlang in den Büchern stöbern. Anhand der Größe der Räume wird aber doch schnell klar, dass hier keine gewöhnlichen Leute leben können. Spätestens dann im Treppenhaus, als ich staunend vor einem mindestens acht Meter hohen Gemälde des Sohnes stehenbleibe, für das er – wie man es aus Schlössern kennt – in adeliger Kleidung posiert hat. Es sieht aus wie die Gemälde im Treppenhaus von Hogwarts. Die Museumsdame verrät uns noch schnell, wo sich der Prinz gern herumtreibt und schon sind wir hin und weg von dem blonden Jüngling. Auch die Prinzen William und Harry gehören übrigens zu seinen Freunden...


Fazit:

Es ist schon verrückt, in einem Schloss unterwegs zu sein, das noch bewohnt wird. Nichts ist verstaubt, veraltet oder wirkt wie ausgestellt. Ich empfehle jedem, der Schottland und England wertschätzt, eine Reise zum Alnwick Castle. Für Harry Potter-Fans aber ist es ein absolutes Muss!

Das Alnwick Castle ist meist von Ende März bis Anfang November für Besucher geöffnet. Die genauen Zeiten erfahrt ihr hier: https://www.alnwickcastle.com/booking

Informationen zur Anreise mit dem Bus von Edinburgh aus: http://www.rome2rio.com/de/s/Edinburgh/Alnwick-Castle

Ein Besuch in Alnwick lässt sich super mit einer Reise nach Edinburgh verbinden. Erfahrt hier mehr über Edinburgh: https://www.fewo-direkt.de/info/unterkunft-buchen/urlaubstipps/reise-experten/gesa/edinburgh

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