24 Stunden in Budapest

Budapest ist eine völlig unterschätzte Stadt! Zwei Mal bin ich nun schon dort gewesen. Zwei Mal wollte ich diesen Ort gar nicht mehr verlassen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Stadt jedes Mal, wenn ich dort bin, ungeahnt kreative Lebensgeister in mir weckt: Plötzlich scheint die Idee, einen eigenen Laden oder ein eigenes kleines Label zu gründen, gar nicht mehr abwegig. Plötzlich sprudeln die Ideen nur so aus mir heraus, so dass ich am liebsten noch hier und jetzt den Plan in die Tat umsetzen würde. Ich glaube – nein, ich bin mir sicher! –, dass Budapest die Stadt ist, in der Träume verwirklicht werden!


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Das Budapest, in das ich euch heute mitnehmen möchte, sieht größtenteils recht heruntergekommen aus – aber gerade das macht den besonderen Charme aus. Denn der Geist der Stadt ist alles andere als heruntergekommen. Das Leben pocht in jedem Stein! Jeder zweite Laden überrascht mit einer innovativen Idee und an jeder Ecke merkt man, dass hier jemand mit viel Arbeit und Liebe zum Detail seinen Traum verwirklicht hat.
Kommt mit in Hinterhöfe, die wie der Jahrhundertwende entsprungen aussehen, Ruinen-Pubs, in denen das Leben blüht, und Ateliers, die mich zum Staunen bringen.

 


Vormittag in Budapest: Belváros – die Innenstadt

Zum Frühstück gehe ich ins Táskarádió Eszpresszó-Bár-Bisztró: Hier gibt es mindestens genauso viele Ausstellungs- und Sammlerstücke aus den 60ern, 70ern und 80ern wie der Name des Cafés Strichlein über den Buchstaben hat. Wer also auf Retro steht, ist hier genau richtig. Wenn mir der Sinn doch schon nach Brunch steht, gehe ich in die Hummusbar auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes und beginne den Tag unter schattigen Bäumen.
Ein Muss ist danach ein Abstecher in den „Blumenladen“ auf der Károlyi utca – ein pastelliges Lichtermeer. Ich schreibe es extra in Anführungszeichen, da es sich hierbei in Wirklichkeit um einen Trockenblumenladen handelt. Das heißt, hier werden bestimmte Pflanzen verkauft, die nach der Ernte getrocknet wurden und nun ewig haltbar sind. Ich habe meinen Strauß aus Budapest immer noch!


Mittag in Budapest: Palotanegyed – das Palastviertel

Im Anschluss lasse ich mich einfach treiben, vorbei an uralten Häusern und Gemäuern, die Geschichten erzählen. Meine Fantasie kommt ins Rollen: Trotz Sommer und heißer Temperaturen stelle ich mir plötzlich alte Damen in dicken Mänteln vor, wie sie im eisigen Winter von einem Hauseingang zum nächsten schleichen, und ich sehe alte Herren, die wie Ganoven an der Straßenecke stehen. Da taucht auf einmal die Villa Kunterbunt vor mir auf! Direkt neben Lumen – Fotogalerie und Café in einem – bin in einem schattigen Hinterhof gelandet, der mich sofort an „Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt!“ erinnert: eine lebensfrohe Oase, scheinbar einfach so aus dem Boden entsprungen.


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Nachmittag in Budapest: Erzsébetváros – Elisabethstadt oder: das jüdische Viertel

Jetzt beginnt das Highlight des Tages. Ideal als Ausgangspunkt für meinen Nachmittag im jüdischen Viertel voller Ateliers, kleiner Designerlädchen und stylisher, verrückter Bars ist der Platz Blaha Lujza tér, den ich gemütlich zu Fuß erreiche. War der Hinterhof am Mittag das Aufwärmprogramm, beginnt jetzt der Spaß des Lebens. „So muss Berlin vor 20 Jahren ausgesehen haben“, geht es mir immer wieder durch den Kopf, als ich von einem Ruin Pub zum nächsten schlendere.

Wo es denn hier zu den berühmten Ruinen-Pubs gehen würde, fragen uns zwei junge Männer im Vorbeigehen. Meine Freundin und ich schauen uns an, als hätten die beiden gerade nach dem Weg zum Mond gefragt. Denn die bunten Innenhöfe liegen hier verstreut wie Sand am Meer – Augen auf und man kann sie nicht verfehlen! Manche von ihnen versprühen Flohmarkt-Atmosphäre, andere grünes Großstadt-Gartenflair und wieder andere locken mit Foodtrucks und Messelook. Das Highlight ist wohl Budapests bekanntester Ruin Pub: Szimpla Kert, in dem sich sogar hinter jedem noch so kleinen Knopf etwas entdecken lässt.


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Der Hunger treibt mich ins Dafke Deli mit seiner jüdischen Küche, wo ich mein heiß ersehntes Pastrami-Sandwich und leckeren Hummus bekomme. Danach schaue ich in der Telep-Art Galéria vorbei – einer Bar mit Longboard-Manufaktur, Ausstellungsräumen und wechselnden kleinen Labels im ersten Stock. Irgendein nettes Andenken finde ich hier immer zum Mitnehmen.

 


Abend in Budapest: Rauf auf den Gellértberg

Den Abend in Ungarns Hauptstadt lasse ich mit einem Spaziergang an der Donau ausklingen. Die Gebäude am Ufer sind prächtig und die Sicht auf die Brücken pompös. Dabei bleibt es aber nicht. Gute 20 Minuten brauche ich, um den Gellértberg – eher Hügel als Berg – hinaufzuspazieren. Oben erwartet mich die Zitadelle, wo ich mich auf eins der Mäuerchen setze. Jetzt kann die Sonne untergehen!


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Nacht in Budapest: Ab ins Budapester Bermuda-Dreieck

Gemütlich spaziere ich am Abend dorthin, wo es mir am Nachmittag schon so gut gefallen hat. Doch während es am Tag vor allem um Sightseeing und Entdecken ging, bleibe ich jetzt länger. Und trinke ein Bier oder zwei oder drei...

Gut zu wissen:
Wer Festivals mag, sollte im August nach Budapest kommen. Denn dann findet das Sziget Festival auf einer Insel mitten in der Donau statt. Etwa 20 Minuten braucht man vom Stadtzentrum zum Festivalgelände. 2011 wurde das Sziget, welches eine Woche lang dauert und jährlich um die 400.000 Besucher zählt, zum besten Festival Europas gekürt.


Links:

11 Gründe, aufs Sziget Festival in Budapest zu fahren auf Lilies Diary:http://www.lilies-diary.com/sziget-festival-budapest/

Mein Besuch beim Sziget Festival 2013 auf Lilies Diary:http://www.lilies-diary.com/das-sziget-festival-eine-bildungsreise/