Wo Europa noch wild ist!

Drei Kinder erleben das Abenteuer Norwegen, die Inselgruppen der Lofoten und Vesterålen!


Auf Waltour mit der Leonora

Nachdem wir zuerst Süd-Norwegen bereist hatten, schafften wir es schließlich tatsächlich, bis zu den Vesterålen und Lofoten vorzustoßen. Spätestens jetzt waren wir absolut begeistert von diesem langestreckten, wilden, vielfältigen Land. Die Naturlandschaft, die wir hier erleben und erwandern konnten, war erfrischend für Körper und Seele. Gerade wenn man Menschenmassen vermeiden will und gerne in der Natur fotografiert, ist man im Land der Mitternachtssonne genau richtig. Die Stille und Einsamkeit des Nordens ist wie Balsam für die stressgeplagte Seele.

Landschaft Vesterålen in Norwegen

Langenes, Vesterålen

Die Vesterålen waren unser erstes Hauptziel jenseits des Polarkreises, denn wir hatten vor, auf Waltour zu gehen. Wir fuhren die längere Tour von Stø aus mit der Leonora und hatten so die Möglichkeit, Wasservögel, speziell die Papageitaucher zu beobachten. Unsere Kinder fanden die Vögel mit den bunten Schnäbeln sehr witzig, nicht umsonst heißen sie die Clowns der Meere. Den Plan, eine ausführliche Vogeltour mit einem motorisierten Schlauchboot zu buchen, fassten wir schon auf dem Walbeobachtungsschiff.

Waltour-Boot in Andenes

Unsere Kids auf dem Walbeobachtungsboot in Andenes

Papageitaucher im Flug

Ein Papageitaucher startet durch, Vesterålen

Kopf des Papageitaucher

Papageitaucher, Vesterålen

Trotz des heftigen Geschaukels wurde es unseren Kindern auf der Leonora nicht schlecht. Mein Mann Gunter aber sah nach einer Weile recht grün um die Nase aus. Ich selbst genoss das stetige Auf und Ab, immer den Horizont im Blick haltend, und als wir schließlich vor Andenes auf die Pottwale stießen, beobachtete ich das Abtauchen der riesigen Säugetiere fast ausschließlich durch den Sucher meiner Kamera. Bei schönem Wetter ein ganz besonderes Erlebnis, welches ich nie mehr vergessen werde. Der Anblick der Meeresriesen scheint auch heilende Wirkung zu besitzen, etliche seekranke Passagiere an Bord schienen schlagartig geheilt zu sein.




Vogelbeobachtung bei Anda

Später auf der Rückfahrt nach Stø wurden Fischsuppe und Butterbrote in der Messe gereicht, da war auch mein Mann plötzlich wieder fit und langte kräftig zu. Abends erreichten wir nach 8 Stunden Fahrt das schwankende Festland. So schien es wenigstens nach einem Tag auf dem Meer.

Die Vogelinseltour kombinierten wir am nächsten Tag sinnigerweise mit einer Angeltour. Wir hatten Appetit auf Fisch und kannten uns mit Hochseeangeln nicht unbedingt aus. Unser erster nachmittäglicher Ausritt mit dem 200 PS starken Zodiac (Gummiboot mit Aussenborder) war mehr eine Achterbahnfahrt. Das scheinbar ruhige Meer verwandelte sich unversehens in ein Wirrwarr aus Bergen, die wir hoch und wieder hinunterrasten. Was für ein Spaß für die Kinder, ich sorgte mich eher um unsere älteren Rücken. Leider sahen wir fast keine Vögel und fingen natürlich auch keine Fische, die hatten wohl schon Feierabend. So durften wir am nächsten Tag nochmal kostenlos hinausfahren. Die Kids fanden das toll, wir auch, denn jetzt konnten wir bei Anda, der Vogelinsel, eine Unmenge von Federvieh beobachten, darunter etliche der 20.000 brütenden Papageitaucherpaare, die gerade beim Mittagessen auf See waren. Aber auch Adler, Tordalke, Möwen und Krähenschaben liessen uns recht nahe herankommen.

Seehund

Eine Robbe hält Siesta, Vesterålen

Vogel in Norwegen

Ein Seeadler mit seiner Beute, Lofoten

Die Seehunde der großen Seehundkolonie auf den vorgelagerten Felsen beäugten uns zwar etwas misstrauisch, ließen sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Mit dem Zodiac fast auf Augenhöhe war das ein besonderes Erlebnis. Schließlich klappte es auch mit dem Angeln. Die Fische bissen wie verrückt, und wir hatten genug zu Essen für die nächsten Tage. Unsere drei Kinder, damals 10, 8 und 6 Jahre alt, fanden das durchaus interessant, die beiden Jungs ließen kein Stück des selbst gefangenen Fisches ungegessen, denn diese Fische waren für unser Wohl gestorben. Nur unserer Jüngsten taten die Schuppentiere leid, sie hatte keinen Appetit mehr darauf.

In Bezug auf eigene Nahrungsversorgung nach Pfadfinderart hat Norwegen noch mehr zu bieten. Auf einer unserer Touren trafen wir ein deutsches Ehepaar, das sich mit Pilzen gut auskannte. Wir verabredeten uns zur gemeinsamen Sammeltour im dichten Wald. Halb gehend, halb kriechend arbeiteten wir uns durch das Gehölz. Zu Beginn fanden wir nur Elchkot, den wir liegen ließen, auch wenn es Touristen gibt, die so was kaufen. Wir konnten uns beim besten Willen nicht vorstellen, wie ein Elch, der ja bis zu 1.000kg wiegen kann, sich durch diesen dichten Wald bewegt. Schließlich fanden die Kinder die ersten richtig großen Steinpilze. Ich stiess auf eher unscheinbare Pfifferlinge, die als Beilage zu den Fischen vom Vortag sehr gut harmonierten. Auf dem Rückweg pflückten wir noch Blaubeeren welches das Abendessen nach hinten hin perfekt abrundeten. Da langte dann unsere Tochter Amy auch wieder kräftig zu.

Kinder beim Pilze sammeln

Unsere Kids mit reicher Pilzausbeute

Eine der Eigenarten im Land hinter dem Polarkreis ist, dass es im Sommer keine Nacht gibt. Wir hatten oft schlechte Karten mit dem Zubettbringen der Kinder. „Wir schlafen, wenn es dunkel wird“, tönte es uns entgegen. Ha, da kann man im Juni und Juli lange warten. Also warfen wir unseren normalen Tagesrhythmus über Bord und blieben auf den Beinen bis wir müde wurden, meist lange nach „Mitternacht“, was uns Eltern nur recht war und die Kinder als Abenteuer empfanden.

Haus in Norwegen

Stø in der Mitternachtssonne, Vesterålen

Landschaft in Norwegen

Mitternachtssonne in der Nähe von Stockmarknes, Vesterålen




Vom Sonnenuntergang direkt zum Sonnenaufgang

Die taghellen Nachtstunden des Sommers sind unsere favorisierte Tageszeit. Wenn fernab jeglichen Zivilisationslärms die Natur ihre Nachtruhe hält, ist die Stille körperlich spürbar, wie in einer unendlich großen Kathedrale kriecht einem Ehrfurcht in die Glieder.

Unsere Kinder wollten natürlich eine Erklärung für das Fehlen der Dunkelheit. Ein als Globus getarnter aufblasbarer Wasserball half uns enorm, ihnen das Phänomen zu erklären und schon hat man ganz spielerisch etwas für den kommenden Erkundeunterricht getan. Der Globus erklärte zudem, warum es sinnvoll sein kann, im Sommer Winterkleidung einzupacken. Beim schweißtreibenden Packen im deutschen Hochsommer denkt man da nicht unbedingt dran.

Für „Nachtwanderungen“ gibt es Touren, die auch Kinder sehr gut bewältigen können. Das Hochgefühl gemeinsam einen Berg erstiegen zu haben genossen unsere drei Kinder sehr. Meist legten wir die Zeiten so, dass wir zur Mitternachtssonne oben auf den Berggraten ankamen, um bei rotem Licht auf die Welt hinabzusehen. Auf dem Rückweg steigt die Sonne dann langsam wieder höher und wenn wir frühmorgens gegen 3:00 Uhr wieder zurück sind, essen wir dann zum Abschluss das dritte Abendessen! Allein das lange Aufbleiben ist für die Kinder ja schon aufregend, weil man das zuhause in der Regel nicht erlaubt.

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Wanderpfad am Strand entlang bei Stø, Vesterålen

Kinder auf einer Wiese

Ruhepause am Berg bei der Mitternachtswanderung

Gemütlicher als Berge zu beklettern ist es, einen Tag am Strand zu verbringen. Norwegen bietet dazu nicht allzu viele, aber dafür ausgesprochen schöne und meist fast menschenleere Strände. Wir könnten da tagelang laufen, Strandgut finden, über das Leben philosophieren, und wenn die Kinder gerade so richtig glücklich ins Spiel vertieft sind, dürfen die Eltern auch ausgiebig fotografieren. Die Sonnenuntergänge ziehen sich gegen Ende Juli stundenlang in die Länge und gehen übergangslos in Sonnenaufgänge über.

Ist mal kein Sandstrand zur Hand, gibt es besonders in Häfen viel zu entdecken. Die Kinder schnappen sich da gleich ihre Kescher und einen Eimer, betrachten auf den Holzbohlen der Bootsstege liegend die Unterwasserwelt und versuchen sich daran, Krebse, kleine Fische und anderes Getier einzufangen. Im Eimer werden die Tiere für kurze Zeit eingehend untersucht, des öfteren auch mit der kleinen Unterwasserkamera abgelichtet und gleich wieder ins Meer zurückgesetzt. Mit den so gewonnenen Fotos machen sich die Kinder dran, mit Hilfe von Bestimmungsbüchern am Notebook die Fische, Anemonen, Schnecken oder was auch immer wir gefunden haben, zu identifizieren.

Kind am Meer

Spaß am Strand mitten in der Nacht, Vesterålen

Landschaft in Norwegen

Karibikfeeling auf den Lofoten, Norwegen




Von Elchen und Leuchttürmen

So viele Tierarten sind uns in Skandinavien schon unter die Augen gekommen, deshalb war es uns ein Rätsel, wie es sein konnte, dass uns über Jahre noch kein Elch begegnet war. Wir fragten einen befreundeten Jäger, wo sich diese Riesentiere denn verstecken. Er lachte gutgelaunt und erzählte: „In Norwegen gibt es Witze darüber, dass sich die großen Tiere hinter den 5 cm dicken Straßenbegrenzungen, die im Winter wegen des Schnees aufgestellt werden, verstecken können.“ Unser Freund demonstrierte uns an einem schönen Abend, wie man Elche entdeckt. Meist legen sich die riesigen Tiere in dichtem Gehölz regungslos hin. Nur mit sehr geübtem Blick sieht man die Augen und vielleicht noch die Ohren, wenn der Elch mit ihnen wackelt. Stehen die Tiere in den Hecken herum, haben ihre hellen Beine verblüffende Ähnlichkeit mit Birkenstämmchen.

Wenn man sie dann aber einmal ausfindig gemacht hat, findet man sie immer wieder. Zu dicht sollte man sich den Elchen nicht nähern, das kann gefährlich werden. Gerade wenn sie Nachwuchs haben, fühlen sie sich leicht gereizt und greifen mit Vehemenz an. Aber auch aus der Entfernung mit Teleobjektiv und Fernglas ausgestattet sahen wir genügend Details.

Elch in Norwegen

Elch auf den Vesterålen

Als meeresliebende Menschen dürfen wir natürlich keinen Leuchtturm auslassen. In Andenes im Norden von Andøya steht ein gußeiserner roter Leuchtturm, der für Besucher geöffnet ist. Wir trafen in einem warmen Sommer nach drei Monaten Sonne dort ein. Wahnsinn, wie heiß es in so einer Blechröhre werden kann, wenn es keine Nacht gibt, die für Abkühlung sorgen kann.

Leuchtturm in Norwegen

Leuchtturm von Andenes, Vesteralen, Norwegen

Andenes hat ebenfalls ein Walzentrum mit Shop und Museum. Die Museumstour ist Waltourpreis eingeschlossen, und unsere Kids hatten riesigen Spaß mit den Exponaten und Modellen, die das Leben in der Tiefsee darstellten. Aber nicht nur im Museum, auch auf unseren Wanderungen entlang der Küste sind wir auf Überreste von gestrandeten Pottwalen gestoßen.

Walknochen in Norwegen

Auf den Lofoten fanden wir einen Pottwalschädel am Strand liegen

Nach etlichen Norwegenreisen im Sommer und nach einigem Zögern bereisten wir schließlich das Land auch im Winter. Der Suchtfaktor für Natur und Ruhe liebende Abenteurer ist im Winter noch wesentlich höher. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Sie möchten mehr über die Lofoten und Vesterålen erfahren, dann lesen Sie hier weiter: Hurtigruten Tagestour von Stokmarknes nach Svolvaer

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