Deutsche Ostsee-Inseln


Fehmarn, die goldene Krone in der Ostsee

Das mit der goldenen Krone haben die Tourismusverbände propagiert, wieso, darüber können wir nur spekulieren. Wahrscheinlich hängt das mit der Geographie der Insel zusammen: von 3 Seiten ist sie eingerahmt von Dünen uns Stränden, an der Ostküste ragen Klippen ins Meer. Die Inselmitte wird von Landwirtschaft bestimmt und im Sommer leuchten die Getreidefelder golden im Sonnenlicht.
Als wir über die knapp einen Kilometer lange Fehmarnsundbrücke auf die Insel fahren, weht ein stürmischer Wind. Wir haben alle Mühe, unser Fahrzeug in der Spur zu halten. Nur kurze Zeit später wird die Brücke für größere Fahrzeuge gesperrt.
Nicht von ungefähr entstehen im Inneren Fehmarns ausgedehnte Felder mit Windkraftanlagen, denn Wind gibt es auf Fehmarn mehr als genug. Das Gute daran ist, bei Wind halten sich die Wolken nie lange. Und so streiten sich Fehmarn und Usedom regelmäßig um den Titel »Sonnenreichste Region Deutschlands.«
Aber wir wollen uns auch nicht in der Inselmitte aufhalten, Strandurlaub ist hier angesagt. Wir begeben uns an den flachen Weststrand in der Nähe des Flügger Leuchtturms. Hier bläst der Wind verhaltener und schmälert kaum unser Strandvergnügen.

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Im Hauptort Burg gehen wir einkaufen und besuchen hinterher den vielgepriesenen weiten Südstrand mit seinem weißen Sand, der sich für ein Sonnenbad geradezu aufdrängt.
Tags darauf legt der Wind sogar noch einen Zahn zu. Wir wagen uns in die Dünenlandschaft im Norden, mit ihren Strandseen. Das ist die favorisierte Ecke für Surfer, Windsurfer, Lenkdrachenflieger und andere sportliche Naturen. Sand schmirgelt uns die Beine, hohe Wellenberge und wehende Gischtkronen nötigen auch den anwesenden Surfern Respekt ab. Nur einige wagemutige Könner tummeln sich in den Wogen, der Rest schaut zu.

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Insgesamt bietet Fehmarn 78 Kilometer Strand zum Baden, Sonnen und Spielen. Wegen der ständigen Brise an den Stränden ist es auch an heißen Sommertagen angenehm frisch.


Poel, das stille Fleckchen Land

Nördlich von Wismar in der Wismarer Bucht liegt unsere nächste Insel, Poel, die südlichste Insel Skandinavien, wie es manchmal genannt wird. Poel ist seit 100 Jahren für die heilsame Wirkung seiner jodhaltigen Seeluft bekannt. Über einen Damm fahren wir bequem auf die Insel zu unserem ersten Ziel, dem sympathischen Dörfchen Timmendorf.

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Dieses Timmendorf hat nichts mit dem Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht zu tun. Es hat ebenfalls hellen feinsandigen Strand, der sich kilometerweit nördlich des malerischen Yachthafens hinzieht. Ein Leuchtturm und die schmucken Häuser geben dem Ort ein gemütliches Ambiente, das zum Bummeln einlädt. In südlicher Richtung stoßen wir auf einen urwüchsigen Naturstrand, der zwar weniger zum Baden geeignet ist, uns aber zum Beobachten, Erforschen und Fotografieren einlädt.

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Beobachten ist auf Poel angesagt. Poel legt viel Wert auf die Erhaltung der Natur, Salzwiesen und Vogelschutzgebiete sind über ein gutes Wander- und Radwegenetz problemlos erreichbar.
Vier Kilometer weiter an der Küste entlang in Richtung Nordosten kommen wir zum Strand am Schwarzen Busch, einem kleinen Seebad mit Kurhaus.

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Noch mehr Strand finden wir am Nordende der Insel bei Gollwitz, wo wir den dortigen Leuchtturm besuchen. Vor dem baumgesäumten Sandstrand liegt die winzige Insel Langenwerder, die seit 1937 unter Naturschutz steht. Theoretisch könnten wir durch das flache Meer hinüberwaten, aber davon wird auf Hinweisschildern abgeraten, um die dort ansässige Vogelwelt nicht zu stören.
 


Rügen, die größte deutsche Insel

»Das Meer ist doch eine große Verschönerung aller Landschaften, und in so origineller Form, wie es sich vor Rügen zeigt, wüsste ich es nirgends anderswo gesehen zu haben ...«
Karl Friedrich Schinkel, 1821

Bevor wir über Rügenbrücke unser Reiseziel in Angriff nehmen, statten wir vorher noch der Hansestadt Stralsund, dem »Tor« zu Rügen, einen Besuch ab. Nachdem wir in einem Restaurant in der wunderschönen Altstadt unseren Hunger gestillt haben, besuchen wir das deutsche Meermuseum. Für einen guten halben Tag tauchen wir ein in die Mysterien der See. Besonders angetan sind wir von dem Finnwalskelett im Kirchenschiff des Katharinenklosters, welches das Haupthaus des Meermuseums bildet. Wir beenden unsere Museumstour im riesigen Walsaal des Ozeaneums, wo wir uns auf bequemen Liegen unter den original großen Walmodellen zum Gesang der Meeresriesen entspannen. Unsere einstimmige Meinung: Unbedingt empfehlenswert!

Rügen ist von Buchten zerklüftet und von Lagunen durchsetzt. Das bedeutet Einiges an Fahrerei auf unserer deutschen Lieblingsinsel, um die verschiedenen Ecken kennenzulernen. Das ist aber nicht tragisch, über Alleen, durch Buchen- und Kiefernwälder, durch Heide und am Wasser entlang wird das Fahren nie langweilig. Unser erstes Anlaufziel liegt im Norden der Insel bei Altenkirchen am Tromper Wiek. Abends beim Spaziergang über den Kiesstrand am Fuß der Klippen spiegeln sich die bunten Wolken im klaren Wasser der Bucht. Frühmorgens schickt die Sonne ihre ersten Strahlen über den Strand und hüllt alles in warmes rotes Licht.

Allinge

Am Nordende des Tromper Wiek wächst die Steilküste auf 43 Meter Höhe an. Hier liegt das touristisch gut erschlossene Kap Arkona mit zwei Leuchttürmen und dem abseits liegenden Peilturm. Von den Turmspitzen hat man bei gutem Wetter einen grandiosen Panoramablick über Rügen.

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Ein Nachbargast hat uns auf die Kreptitzer Heide aufmerksam gemacht, die ein paar Kilometer weiter westlich liegt. Diese unter Naturschutz stehende Steilküste besteht zum Großteil aus Mergel, ein idealer Brutplatz für Uferschwalben, Ammern, Gimpeln und weiteren Vogelarten. Holzstege ziehen sich durch die Heide oberhalb der Klippen, von denen Treppenabstiege hinunter ans Meer führen. Wir haben einen bedeckten Tag erwischt, am Strand ist wenig los und das Meer geht am Horizont sachte im Dunst in den Himmel über. Das Ganze hat eine träumerisch, melancholische Stimmung.
Über eine schmale Landbrücke, die Schaabe, gelangen wir zu Rügens bekanntester Region, dem Jasmund. Hinter majestätischen Buchenwäldern liegt der berühmteste Abschnitt der Rügener Küste, die steilen, hohen Kreidefelsen der Stubbenkammer, und der 118 Meter hohen Königsstuhl.

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Wir sind schon sehr früh auf den Beinen, weil wir den Sonnenaufgang vom Fuß der Kreidefelsen aus erleben wollen. Auf dem Klippenrand angekommen, führt uns eine ewig erscheinende Holztreppe hinunter zum Strand. Wie arrangiert liegen abgebrochene Bäume und Kreidebrocken malerisch herum, was auch auf die Gefährlichkeit der Kreideküste hinweist. Die Sonne kommt hinter dem Horizont hervor, leichter Dunst auf dem Wasser bringt das Meer zum Leuchten. Die Kreidefelsen flammen im ersten Morgenlicht brillant auf. Über drei Stunden sehen wir uns satt, und erklimmen zufrieden wieder die 412 Stufen hinauf zum Aussichtspunkt. Mit dem Shuttlebus fahren wir zurück zum Parkplatz bei Nipmerow.

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Eine Wanderung durch den Buchenwald des Jasmund ist wie das Wandeln in einer unendlich großen Kathedrale. Ob im sanften Licht eines wolkenbedeckten Himmels, im frühmorgendlichen Dunst, oder an einem strahlenden Herbsttag, wenn das gelbe Laub gegen den tiefblauen Himmel leuchtet, es ist immer ein ehrfurchtgebietendes Erlebnis, zwischen den Baumriesen umherzuwandern.

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Am Südende des Jasmund liegt Sassnitz mit seinem sehenswerten Kurviertel. Der lebhafte Hafen von Sassnitz hat die längste Außenmole Europas. Als Kontrastprogramm zur Natur verbringen wir einige Stunden im Hafen und sorgen für unser leibliches Wohl.

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Zwischen Sassnitz und Binz liegt eines der bemerkenswertesten Bauwerke Rügens, der Koloss von Prora. Direkt am Sandstrand entlang zieht sich der aus den 30er Jahren stammende, 4,5 Kilometer lange, sechsgeschossige Riesenwohnblock hin. Als KdF-Erholungszentrum mit 10000 Wohneinheiten geplant, diente er zwischenzeitlich als Ausbildungsstätte, Lazarett und Kaserne. Heute beherbergt der Koloss eine Jugendherberge mit 400 Betten und Zeltplatz, weitere Teile werden zu Wohnblöcken ausgebaut. Der Gigantismus dieser Anlage schockt uns, dieser Vorläufer des Massentourismus a la Benidorm will sich gar nicht so recht in das Gesamtbild der Insel einfügen.
Die Kurstädtchen Binz und Sellin beruhigen wieder unser ästhetisches Architekturempfinden. Gästehäuser im Villenstil, Kur- und Badehäuser, eine Seepromenade und fast 400 Meter lange Seebrücken sind ideal zum Bummeln und Flanieren.

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Südöstlich von Sellin, im Naturschutzgebiet Mönchgut, finden wir wieder zurück zu Meer, Strand und Natur. Der ausgedehnte Oststrand ist in deutscher Manier fein säuberlich in Abschnitte unterteilt. Es gibt Bereiche für Familien, für Hundebesitzer und für FKK-Freunde.


Usedom, die lebhafte Sonneninsel

»Man hat Ruhe und frische Luft und diese beiden Dinge wirken wie Wunder und erfüllen Nerven, Blut und Lungen mit einer stillen Wonne.«
Das sind aber die einzigen Stressmomente. Das Fahren selbst ist entspannend, wir müssen nur Kurs halten, auf gelegentlichen Gegenverkehr und überholende Boote achten.
Theodor Fontane, 1863 auf Usedom

Die östlichste der deutschen Ostseeinseln gehört nur zu einem Teil zu Deutschland. Der Ostzipfel mit der Hafenstadt Swinoujscie (Swinemünde) ist polnisches Staatsgebiet. Für uns bedeutet Usedom ewig langer Sandstrand, Promenaden, Seebrücken und das Museum Peenemünde. So ruhig, wie Theodor Fontane es vor 150 Jahren beschrieben hat, ist es heutzutage allerdings nicht mehr. In den Seebädern der Ostküste ist in der Saison Mords was los.

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Dicke Wolken ziehen an unserem ersten Tag auf Usedom über den Himmel, und das am statistisch sonnenreichsten Ort Deutschlands. Also machen wir uns auf ins historisch-technische Museum in Peenemünde. Unsere Kids sind begeistert. Nicht nur die technischen Aspekte der Raketenentwicklung im Dritten Reich sind hochinteressant, ebenso ausführlich sind die geschichtlichen Zusammenhänge und Gegebenheiten präsentiert. Die Exponate in den Mauern des damaligen Kraftwerks strömen eine faszinierende Authentizität aus. Wir verbringen fast den ganzen Tag im Museum, und es wird zu keiner Zeit langweilig.
Die Hauptattraktion Usedoms ist zweifellos der 42 Kilometer lange feinsandige Ost-Strand. Eine Kette von Seebädern aus dem 19. Jahrhundert säumen die Küste. Hier residierten die Reichen und Berühmten, das ist der vorherrschenden »Wilhelminischen Bäderarchitektur« eindrucksvoll anzusehen. Villen, Badehäuser, Seebrücken und Promenaden bieten eine Unmenge an Details zum Sattsehen.

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Die schönste Seebrücke steht in Ahlbeck, die längste Seepromenade Europas zieht sich von Bansin bis nach Swinemünde. Ob Sightseeing, Shopping, Restaurantbesuch, Spaziergang am Meer oder Abhängen im Strandkorb, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Für uns Naturanhänger ist es ein bisschen zu lebhaft. Die meisten Anwesenden hier scheinen aber den Rummel zu genießen. Nach einer Weile sehnen wir uns nach Abgeschiedenheit und suchen einen weniger belebten Strandabschnitt zum Ausspannen.