Bornholms innere Werte


Abseits der Küstenstraße

Bornholm, die Sonneninsel Dänemarks, weit im Osten, abgeschieden vom restlichen Dänemark, bietet nicht nur ewig lange Sandstrände, Fischerdörfer und dramatische Felsklippen. Auch im Inneren der Insel gibt es genug Natur und Kultur, die für sich schon eine Reise wert sind.


Schafe auf Bornholm

 

Kulinarisch hebt sich die Bornholmer Gastronomie mit etlichen Sterne-Köchen hervor, die hauptsächlich lokale Produkte für ihre modernen fantasievollen Kreationen verwenden. Daneben betreiben noch 4 Heringsräuchereien ihr traditionelles Gewerbe, und finden auch über die Grenzen hinaus großen Zuspruch.


Heringe auf Bornholm

Wackelsteine, Bautasteine und Felszeichnungen

Natürliche Überbleibsel aus der Eiszeit und prähistorische Relikte sind überall auf Bornholm präsent. Mächtige granitene Findlinge aus der letzten Eiszeit liegen überall im Land verstreut auf Wiesen und Feldern. Einige dieser Felsbrocken werden aus offensichtlichem Grund Wackelsteine genannt. Diese viele Tonnen schweren Brocken lassen sich allein mit Muskelkraft bewegen. An vielen Orten stehen Steinkreise und Menhire. Hügelgräber und Dolmen sind ebenso zu finden, wie prähistorische Grabsteine, die Bautasteine, von denen heute noch etwa 250 auf Bornholm existieren. Das Touristenbüro in Rønne hält Informationsmaterial bereit, um die Stellen zu finden. Festes Schuhwerk ist angesagt, es geht oft buchstäblich über Stock und Stein und Felder.

Felsbrocken Bornholm

 

Auch frühzeitliche Kunst ist auf Bornholm präsent. Am besten erhalten sind die bronzezeitlichen Felszeichnungen von Madsebakke in der Nähe des Fischerortes Allinge-Sandvig. Wir fahren den unscheinbaren Parkplatz in Ortsnähe an und folgen den Schildern Richtung Felszeichnungen. Erst als wir buchtstäblich draufstehen, erkennen wir die skizzenhaften Ornamente und Bilder, die unsere Vorvorfahren hier verewigt haben. Ein Wunder, wie diese Werke Jahrtausende überstanden haben.

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Die eiszeitlichen Spalttäler Bornholms

Als weitere Relikte der Eiszeit durchziehen schmale und tiefe Schluchten die nördliche Inseloberfläche. Durch starke tektonische Spannungen hatten sich gewaltige tiefe Risse im Gestein gebildet. Als das Eis zurückging, hat das Gletscherwasser die Spalten ausgewaschen und geformt. Wind und Wetter haben unermüdlich weiter daran genagt und mit der Zeit erweitert. Von Weitem sehen die engeren Vertreter dieser Schluchten aus, wie ordinäre Gebüschstreifen inmitten der bewirtschafteten Felder. Diese Gebüsche haben aber unten drunter Stämme, es sind die Kronen ausgewachsener Bäume, die 20 Meter tiefer in den engen Schluchten wurzeln.


Schluchten Bornholm

 

Als wir am folgenden Morgen aus dem Fenster schauen, ist es bewölkt und wir beschließen, die Schlucht von Døndalen in der Nähe der Helligdomsklippen zu erforschen. Wir fahren das obere, im Land liegende Ende an. Ein kurzer Fußweg auf einem Feldweg durch Ackerland, dann tauchen wir ein in das Zwielicht des Waldes. Steil geht es hinunter bis zum Grund der Schlucht, wo sich ein kleiner Bach gurgelnd entlangwindet, und sich ab und zu als kleiner Wasserfall über eine Felskante stürzt. Die Schlucht ist vollkommen naturbelassen, umgestürzte Bäume liegen kreuz und quer über dem Bach und auch über den Pfaden. Wir müssen gut aufpassen, hier unten ist es feucht und der Pfad stellenweise matschig extrem rutschig. Es ist eine vollkommen andere Welt. Nichts deutet darauf hin, dass nur wenige hundert Meter weiter östlich das Meer an die Felsenküste brandet und der Blick weit hinaus Richtung Sonnenaufgang schweifen kann. Oder dass nur wenige Meter rechts und links von uns und 20 Meter höher, die Bauern auf den Feldern ihrem Tagesgeschäft nachgehen. Hier drinnen sind wir eingeschlossen in unserem kleinen Waldschlucht-Universum. Wir könnten genausogut irgendwo in einer engen Alpenklamm stecken. Selbst wenn es oben auf der Inseloberfläche regnet, hier unten würden wir wenig davon mitbekommen. Es macht uns einfach Freude, sich auf einen Baumstamm zu setzen, die Ruhe in sich aufzunehmen, und abgeschieden von dem Rest der Welt dem Murmeln des Baches zu lauschen.


Bachauf Bornholm

   

Es gibt einige dieser Schluchten im Nordostteil der Insel, eine der längsten liegt allerdings im Westen, östlich von Hasle am Svalhojvej und ist touristisch noch fast unerschlossen. Das wird hoffentlich auch so bleiben, denn diese abgeschiedenen Refugien bieten vielen Tier- und Pflanzenarten Schutz und sind zum Glück auch nicht unbedingt massentourismustauglich. Die breiteste der engen Schluchten liegt im urwüchsigen Waldgebiet Almindingen im Zentrum Bornholms. Es ist das 12 Kilometer lange Ekkodalen, die Echoschlucht. Der Name ist selbsterklärend. Das Ekkodalen ist wesentlich weiter als die anderen Spalttäler, auch wenn es gleichen Ursprungs ist. Anstelle von Wald bilden Kuhweiden seinen Boden, und an bestimmten Stellen spielen die steilen Felswände der Talseiten mit den Rufen der Wanderer Pingpong.

 


Hammerhus, die größte Burganlage Nordeuropas

Wir begeben uns jetzt in den Norden der Insel. Hier thront eine ausgedehnte Burganlage aus dem 13. Jahrhundert 74 Meter hoch über dem Meer. Hammerhus ist eine der ältesten Burganlagen und die größte Burg Nordeuropas.

Hammerhus Bornholm

Wir streifen bei Sonnenschein durch die weitläufige Anlage, an verschiedenen Ecken wird restauriert. Das hat die Burg auch nötig. In ihrer wechselvollen Geschichte hat sie viele Besitzer gehabt, sie diente immer wieder mal als Staatsgefängnis. Aber in der Mitte des 18. Jahrhunderts war ihre strategische Bedeutung so weit gesunken, dass sie aufgegeben wurde. Die Bevölkerung liess sich die Gelegenheit nicht entgehen und nutzte die Steine der Burg für eigene bauliche Zwecke. Erst eine ganze Weile später stellte die Obrigkeit die inzwischen ziemlich mitgenommene Burg unter Denkmalschutz, aber erst 1890 gab es die ersten Restaurationsbemühungen, die sich bis heute mehr oder wenige ununterbrochen fortsetzen. Hammerhus ist eben ein gewaltiges Projekt, allein die Rundmauer um die Burg hat eine Länge von 750 Metern. Es ist Sonntag und viele Besucher nutzen die Gelegenheit und lassen sich auf den weiten Rasenflächen für ein Picknick nieder, wir schauen uns derweil die verschiedenen Gebäude an. Ställe, Gesindekammern, die Burgküche, und was alles zu einer gut funktionierenden Burg so gehört. Es ist herausfordernd, sich diesen Mikrokosmos hinter den schweren Mauern vorzustellen, wie das Leben und Treiben vor 800 Jahren hier wohl ausgesehen hat.

Hammerhus auf Bornholm, die größte Burganlage Nordeuropas
 


Hammeren Fyr, der grandiose Leuchtturm am falschen Ort

Nach dem Besuch der Burg wandern wir den Küstenpfad entlang Richtung Norden. Am neu ausgebauten Hammerhafen mit seiner prägnanten Architektur vorbei, gehen wir zu den aufgegebenen Granitsteinbrüchen, die jetzt geflutet sind. Hammersee und Opalsee liegen farbig strahlend unter dem Himmel eingerahmt von hohen vertikalen Steinwänden. Ein schmaler, stellenweise steiler und steiniger Weg führt uns durch den Wald in eine Heidelandschaft auf dem über 50 Meter über dem Meer ragende Granitplateau der Hammeren-Halbinsel. 

Hammeren Fyr Leuchtturm

 

Schon aus einiger Entfenung sehen wir den Hammeren Fyr, den großen Leuchtturm von Hammeren. Der Eintritt ist frei, und als wir oben auf der Balustrade des bulligen, gedrungenen Steinturms im frischen Wind stehen, haben wir im goldenen Spätnachmittagslicht einen fantastischen Panoramablick über die umgebende Ostsee.

Eigentlich ist der Hammeren Fyr eine Fehlkonstruktion. Bei der Erbauung haben die Planer leider nicht die lokalen Wetterbesonderheiten berücksichtigt. So ist er eine nicht unerhebliche Zahl an Tagen im Jahr von heraufziehendem Küstennebel umgeben, was natürlich der Sicherheit des Schiffsvekehrs nicht gerade zuträglich ist. Als Abhilfe baute man später einen zweiten, kleineren Leuchtturm direkt an der Nordküste, den Hammer Odde Fyr.

 

Die wehrhaften Rundkirchen

Bei unseren Fahrten kreuz und quer über die Insel sind uns die runden Kirchen aufgefallen, die schon von Weitem durch ihr strahlendes Weiß unsere Aufmerksamkeit erregen. Wir lassen und natürlich nicht die Gelegenheit entgehen, einige von ihnen näher in Augenschein zu nehmen.

Rundkirchen auf Bornholm

 

Von diesen bornholmtypischen Bauwerken gibt es 4 Stück, Østerlars Kirke, Sankt Ols Kirke, Nylars Kirke und Ny Kirke. Ihre Geschichte geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Bornholm wurde im 11. Jahrhundert christianisiert und Holzkirchen wurden allerorten errichtet. Zu der Zeit litt die Bevölkerung massiv unter den Attacken der Ostseepiraten, da haben die Holzgebäude nicht viel zum Schutz beigetragen. Und so fing man an, zur Verteidigung steinerne Wehrkirchen zu bauen, eben diese Rundkirchen. Sie sind eigentlich eine Mischung aus Kirche und Festung, mit Schutzräumen, Schießscharten und sonstigen Verteidigungsanlagen. Die Rundkirchen stehen an strategisch günstigen Orten, mit freier Sicht auf das umgebende Land. Ihr heutiges Aussehen mit dem spitzen Kegeldach haben sie erst einige Zeit nach der Erbauung bekommen, das tut aber der imposanten Wirkung keinen Abbruch. Die ausgeklügelte multifunktionelle Architektur, die Dualität von klerikaler und militärischer Nutzung, hat uns schwer beeindruckt, die massigen Mauern, die Wehr- und Aufgänge, das Innenleben und auch die gepflegten Außenanlagen. Beeindruckend sind auch die Sagen, die sich um diese Kirchenfestungen ranken. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Templerorden mit in dem Kirchenbau involviert war.



Rundkirchen Bornholm

 

Sportliche Aktivitäten und Musikfestivals

Für sportliche Naturen gibt es außer den typischen Wassersportangeboten, wie Surfen, Kiten, Segeln oder Tauchen auch mehr landgebundene Betätigungen. Wir sind mit Vorliebe die gut ausgebauten Küstenwege entlanggewandert, immer auf und ab, wie es das Gelände erfordert. Aber auch der größte Wald Dänemarks, der Almindingen bietet ein ausgedehntes Netz an Wanderwegen, durch dichten Naturwald, entlang an Seen, Bächen und Felswänden.

Naturwald auf Bornholm

 

Für Radsportbegeisterte stehen 250 Kilometer Radwege zur Verfügung, einige von ihnen sind auf den Dämmen ehemaliger Eisenbahnstrecken angelegt. Der Rundkurs um die Insel ist 103 Kilometer lang, und das jedes Jahr im Sommer stattfindende Radrennen „Rund Bornholm“ ist äußerst populär.

Irgendwie hat das Musikmachen auf Inseln eine starke Tradition und Bornholm bildet da keine Ausnahme. Jazzliebhaber können auf dem Allinger Jazzfestival Anfang Juli eine Woche lang teils hochkarätige Jazzmusik meist kostenlos genießen. Ende Juli geht es auf dem Snogebæk Hafenfest für mehrere Tage stimmungsvoll auf der Hafenbühne weiter.



Hammerhus Burggelände

 

Auf dem Burggelände von Hammerhus finden auch 2 Festivals statt: das Fairtrade Concert an einem Abend im Juli, und das 3-tägige Wonderfestiwall im August, das inzwischen internationalen Bekanntheitsgrad erreicht hat.

Bei all dem Angebot an Aktivitäten, Kultur und Natur ist es fast unmöglich, sich zu langweilen. Für uns ging die Zeit auf Bornholm jedenfalls viel zu schnell zu Ende, und der Lockruf der Insel hallt noch lange nach unserer Heimkehr in unseren Ohren.

 

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