Bornholm, die dänische Perle in der Ostsee


Abseits der Küstenstraße

Die dänische Insel Bornholm liegt weit östlich vom Rest Dänemarks, und ist per Fähre schneller von Schweden oder von Deutschland aus zu erreichen, als von Dänemark selbst. Von Kopenhagen aus sind es 150 Kilometer, von Rügen 80 Kilometer und von Schwedens Küste nur 40 Kilometer bis nach Bornholm.

Die knapp 600 Quadratkilometer große und 40 Kilometer lange Insel ähnelt grob einem Rechteck. Im Norden ragt ein riesiger Granitblock ins Meer, der Hammeren, im Osten und Westen dominiert Steilküste, die nach Süden hin immer mehr in Strände übergeht. Im Süden selbst liegt das weitgestreckte Strand- und Dünengebiet von Dueodde, dessen Anwohner stolz von sich behaupten, den feinsten Sand aller Ostseestrände zu haben.

Fern von den kontinentalen Landmassen und fern von jeglicher Großindustrie hat Bornholm sehr klare und frische Seeluft. Die Farben leuchten ganz besonders, was schon viele Maler und Fotografen angezogen. 

Roenne Bagfyr, Bornholm

Aufgrund der maritimen Lage wechselt das Wetter schnell. Das hat den Vorteil, dass sich auch schlechtes Wetter nie lange hält, wenn sich Bornholm mal einen Regen gönnt. Wer der sommerlichen Affenhitze des Kontinents entfliehen will, findet hier ideale Bedingungen. Die Temperaturen steigen kaum über 30 Grad und die ständige Meeresbrise sorgt für angenehme Kühlung. Regentage sind im Sommer tatsächlich so selten, dass Bornholm auch als die dänische Sonneninsel bezeichnet wird.

Was uns neugierig auf Bornholm gemacht hat, ist neben der klaren Seeluft die Vielfalt an landschaftlich interessanten Gebieten, die abwechslungsreiche, 160 Kilometer lange Küste und der Ausspruch, dass Bornholm aufgrund dieser Tatsache auch „Skandinavien im Kompaktformat“ betitelt wird.

Meer in Bornholm

Wir erreichen Sandvig im Norden und erreichen über die engen Gässchen den Parkplatz am Strand, der auch als Ausgangspunkt für eine Wanderung um den Hammeren dient. Der Küstenpfad um diese Granithalbinsel beginnt recht gemächlich mit einem bequemen Waldweg. Wir erreichen Hammer Odde Fyr, den kleineren, noch aktiven Leuchtturm an der Nordspitze von Bornholm. Der eigentliche Leuchtturm für die Nordspitze, der Hammeren Fyr, steht oben auf dem Granitberg. Dummerweise wurde der immer wieder vom Küstennebel eingehüllt, und so wurde ein zweiter hier an der Küste errichtet. Hinter dem Hammer Odde Fyr wird der Pfad enger und es geht auf und ab, hin und her, immer entlang der Küstenklippen. Dauern eröffnen sich uns neue Ausblicke auf Felsformationen, kleine Buchten laden zum Verweilen am Meer ein. Eine leichte Brise mit dem salzigen Geruch von Seetang umweht unsere Nasen und lässt uns tief durchatmen. Schneller als wir denken, nähert sich die Sonne dem Horizont. Dieses Mal schaffen wir es nicht, den Hammeren ganz zu umrunden. Wir schauen zu, wie die Sonne im Meer versinkt, dann gehen wir zufrieden und hungrig geworden zurück und freuen uns auf das Abendessen.


Von der Hauptstadt Rønne zum Granitfelsen Hammeren

Wir kommen am frühen Nachmittag mit der Fähre in Rønne an, der Hauptstadt von Bornholm. Wir sind recht spät dran in diesem Jahr, der Herbst meldet sich schon zaghaft mit den ersten bunten Blättern an den Bäumen an. Als erstes parken wir am Visitor-Center, wo wir uns mit Informationsmaterial eindecken. Anschließend erkunden wir die Stadt, Städtchen würde wohl besser passen, den Rønne hat nur 13500 Einwohner. Der Rest der ungefähr 40000 Inselbewohner verteilt sich über den Rest Bornholms. Nur wenige Minuten zu Fuß und wir sind mitten im Zentrum. Schmucke Häuser und kleine Geschäfte bestimmen das Straßenbild. Niemand scheint es besonders eilig zu haben, die Stimmung ist sehr relaxt, wir fühlen uns sofort wohl.

Rønne

Nach einer Weile treibt und die Entdeckerlust wieder hinaus aus Rønne, wir wollen uns einen ersten Überblick über die Insel verschaffen und sehen, was uns alles so erwartet. Von Rønne aus sind es bis zu jedem beliebigen Punkt auf Bornholm keine 30 Straßenkilometer. Die Insel und das Straßennetz sind so kompakt, dass es zweitrangig ist, wo man sein Domizil aufschlägt, es ist nie sehr weit bis irgendwo hin. Wir beschließen, unsere Erkundungen im Norden von Bornholm zu starten.

Rønne 


Der Fischerort Allinge und die Helligdomsklippen

Am nächsten Morgen sind wir schon früh in Allinge unterwegs, dem Nachbarort von Sandvig. Der Fischerort hat sich sein Ambiente gut bewahrt, trotz einiger touristisch bedingter Neubauten. Das Kopfsteinpflaster der schmalen Gassen und die fröhlich bunten Fischerhäuser dürften vor hundert Jahren auch nicht viel anders ausgesehen haben. Von Weitem sichtbar ragen zwei hohe Schornsteine über die Küstenklippen. Glücklicherweise hat hier niemand seine Fabrik hingestellt, das sind die Schornsteine der Allinger Heringsräucherei, eine der 4 Bornholmer Räuchereien, die für ihre goldenen Räucherheringe bekannt und berühmt sind.

Allinge

Wir folgen der Ostküste weiter Richtung Süden. Vor Gudhjem beginnen unterhalb des Bornholmer Kunstmuseums die Helligdomsklippen, mit 34 Metern die höchsten ihrer Art auf Bornholm. Alle paar Meter schieben sich Felsvorsprünge hinaus ins Meer. Wind und Wellen haben daraus fantastische Formen gemeißelt. Wir folgen dem verschlungenen Waldweg entweder hinaus auf die Felsvorsprünge (keine Angst, die Wege und Plattformen sind gesichert), oder hunderte von Treppenstufen hinunter ans Meer, das in den engen Buchten bedrohlich laut anbrandet. Wir sind alle Treppen geklettert und haben alle Abzweigungen genommen. Wer es etwas gemütlicher haben möchte, kann auch eine Besichtungstour mit dem Ausflugsschiff buchen und sich die Helligdomsklippen vom Meer aus ansehen.

Helligdomsklippen  


Snogebæk, eine Hafenbrücke und schmackhafter Räucherfisch

Wir folgen weiter der Küstenstraße und machen Station im Fischerörtchen Snogebæk, wo wir uns in der Räucherei mit herrlich duftenden geräucherten Heringsfilets eindecken. Auch der Hafen ist etwas besonderes, er ist nur mit der zweitlängsten hölzernen Hafenbrücke Skandinaviens mit dem Küste verbunden. Rechts und links vom Hafen ziehen sich weite Sandstrände bis zum Horizont..

 Snogebæk

Wer Udo Schroeter kennt, den Autor von „Bin am Meer,“ der kann ihm hier begegnen. Udo wohnt in Snogebæk und hält im Sommer Lesungen seiner Bücher ab. Er ist vor einigen Jahren aus Deutschland ausgewandert und genießt das Wohnen auf der Insel, die klare Luft, die Ruhe und Gelassenheit, und natürlich das Angeln. Seine Angel- und Selbstfindungsseninare für Männer finden großen Zuspruch. Wir haben ihn getroffen und uns lange angeregt mit ihm unterhalten..

 Snogebæk 


Dueodde, unendliche Strände feinsten Sandes

Das Sommer-El Dorado von Bornholm entdecken wir hinter einem breiten Streifen von lichtem Kiefernwald. Auf dem Weg zum Meer werden die Kiefern erst einmal von hohen Dünen aus superfeinem Sand abgelöst. Der harzige Waldduft der Kiefern weicht langsam dem tangigen Geruch des nahen Meeres.

Dueodde

 

Wir müssen noch eine ganze Weile düneauf, düneab durch den Sand stapfen, bis sich die Ostsee endlich zeigt. Ein schier endloser weißer Sandstrand breitet sich vor uns aus, und wir bleiben, bis es dunkel wird und das Licht des Leuchtturms von Dueodde über die Dünenlandschaft streift. Auch wenn Dueodde Bornholms Zentrum des Badetourismus ist, wir können uns nicht vorstellen, dass es an diesem gewaltigen Strand jemals Gerangel um Liegeplätze geben könnte.



Dueodde

 


Arnager, das älteste Dorf

Es gibt natürlich noch viele weitere interessante Orte entlang der Küste, etwa das älteste Dorf Bornholm, das Städtchen Arnager im Süden, mit einer noch längeren Holzbrücke als Snogebæk. 200 Meter lang führt sie hinaus zum Fischerhafen in der offenen See. Sie wurde nötig, als der Hafen an der Küste zu versanden drohte und nicht mehr zu gebrauchen war. Der Titel „ältestes Dorf“ hat nichts mit dem Anfang der neuzeitlichen Besiedlung zu tun, nur gab es vorher ausschließlich Freibauernhöfe auf Bornholm, Arnager war die erste richtige Gemeinde. Und wenn wir vom Alter sprechen, um Arnager herum kann man versteinerte Dinosaurierspuren entdecken.

Holzbrücke von Arnager

 

Sonnenuntergang an Jons Kapelle

Oder die Felsklippen von Jons Kapelle an der Westseite der Insel, einer domartigen Felsformation, an der die Fischer in früheren Zeiten das Wohlwollen der göttlichen Heerscharen erbaten. Wir kommen kurz vor Sonnenuntergang auf dem nun leeren Parkplatz an. Bis zu Jons Kapelle sind es noch 15 Minuten zu Fuß durch den Küstenwald. Der Himmel ist verhangen, leichter Nieselregen liegt in der Luft, als wir Jons Kapelle erreichen. Eine ewig lange Treppe führt uns hinunter zum Strand am Fuß der vertikalen Klippen. Zum Herumliegen ist dieser Strand nicht geeignet, die Sandkörner hier haben die Größe von Fußbällen. Beim Aufstieg bricht die Sonne durch die Wolkendecke und schenkt uns einen farbenreichen Abschied in den Feierabend. Auf unserer Rundreise entlang der Bornholmer Küste stellen wir bald fest, dass 2 Wochen viel zu wenig für all die Sehenswürdigkeiten sind. Hinter jeder Abfahrt verbergen sich verschwiegene Buchten, verlassene Fischerhäfen oder isolierte Strände. Es gäbe noch so viel mehr zu entdecken. Der nächste Besuch der dänischen Sonneninsel ist schon in Planung, diesmal im Sommer, wenn die Musikfestivals auf der Burg von Hammerhus und in Allinge stattfinden.

Sonnenuntergang an Jons Kapelle

 

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