Sylt – die Königin der Nordsee

Noch nie habe ich schon so viel von einem Ort gehört wie von Sylt. Wer einmal auf dieser Insel war, verfällt binnen Sekunden ihrem Charme. Ob Austern und Champagner oder stundenlang Teetrinken in einem alten Reetdachhaus, die nördlichste Insel in Deutschland hat für jeden die passende Freizeitbeschäftigung und vor allem auch für jeden den passenden Ort. An jedem Ortsschild hängt ein imaginäres Etikett, welches den passenden Sylt-Typ beschreibt. Wer das erste Mal auf der Insel ist, der sollte alles einmal testen, von List nach Hörnum über Kampen und Westerland. Aber nicht der Ort ist entscheidend, sondern auch die Seeseite. Die raue Brandung ziert die Westküste mit circa 40 Kilometer Sandstrand. An der Ostseite liegt das stille Wattenmeer.


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Westerland und die Mitte

„Ich will wieder an die Nordsee, ich will zurück nach Westerland“, sangen die Ärzte 1988 und haben dazu beigetragen, dass die Inselhauptstadt Westerland im ganzen Land bekannt wurde. Ein Besuch der Westerländer Promenade mit Stadtbummel durch die Friedrichstraße gehört einfach dazu. Hier gibt es Champagner und Kaviar neben traditionellen Cafés und Burgerbuden. Meine Lieblingsrestaurants sind das Strandrestaurant Badezeit direkt am Meer und das Sylter Stadtgeflüster. Neben der Flaniermeile ist Westerland für seine Sylter Düne bekannt. Die Badeanlage in den Dünen mit Meerwasser-Wellenanlage, Turbo-Rutsche und Saunalandschaft ist ein Erlebnis.
Im Ortsteil Wenningstedt beginnt die bis zu 30 Meter hohe Abbruchkante des Roten Kliffs, die sich bis nach Kampen durchzieht. Vor allem beim Sonnenuntergang, wenn die tiefstehende Sonne auf das Kliff scheint, leuchtet es wunderschön rot. Im Restaurant „La Grand Plage“ könnt ihr dann den Abend mit Trüffel Spaghetti und Blick aufs Meer ausklingen lassen.
Ideal für einen Spaziergang tagsüber ist die Braderuper Heide und das Weiße Kliff. Das Naturschutzgebiet zwischen Kampen und Braderup ist 137 Hektar groß und zieht sich entlang des Wattenmeers.


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Der hohe Norden

Ein Fischbrötchen an der nördlichsten Fischbude Deutschlands genießen – besser kann man einen Besuch im Norden von Sylt nicht beginnen. Hier können Besucher alle paar Wochen Kreuzfahrtschiffe bestaunen, die in den Hafen fahren. Aber auch wenn keine großen Schiffe anlegen, das Treiben im Hafen zu beobachten ist jeden Tag spannend. Oder eine Fahrt mit dem Adler-Schiff zu den Seehundbänken. Für mich ist der schönste Ort der Nordzipfel des Ellenbogens. Wer Zeit hat, sollte die Strandwanderung um den Ellenbogen machen, die ab List circa 6 Stunden dauert, absolute Ruhe, Einsamkeit und 300 freilaufende Schafe bietet. Das wird ein traumhafter Tag für Naturfreunde.
Das absolute Kontrastprogramm dazu wäre ein Besuch von Kampens Nobelmeile. Man nennt es auch das heimliche St. Tropez des Nordens. Kampen hat sich vom bescheidenen Dörfchen zum teuersten Flecken Deutschlands gemausert. Das hat es vor allem den Seefahrern zu verdanken, die jahrhundertelang Geld ins Dorf gebracht haben. In Kampen liegt auch der angeblich älteste Club Deutschlands, das „Pony“, und die legendäre Buhne 16.
Wer auf Sylt ganz hoch hinauf will, der muss die 102 Treppenstufen auf die Uwe-Düne zwischen Kampen und Nordsee hochsteigen. Hier oben bietet sich ein grandioser Panoramablick.


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Der Osten

Wer sich für die Wohnkultur interessiert, der ist in Keitum genau richtig. Ein Spaziergang durch das alte Kapitänsdorf Keitum und der Besuch des Altfriesischen Hauses sind die Highlights. Hier kann die Wohnkultur der Sylter im 18. Jahrhundert besichtigt werden. Die Dorfidylle ist hier unverkennbar und nicht umsonst heißt Keitum „friesischer Juwel“. Die malerischen und verwinkelten Gassen locken fast jeden Sylt-Besucher hier her. Ein wunderschöner Ort für einen Tee im Strandkorb ist das Hotel Aarnhoog. So heimelig und gemütlich.
Ein ganz anderes Bild auf die Insel bekomme ich am Grünen Kliff. Hier ist die 13 Meter hohe Steilküste mit Flechten, Moss und Wildkräutern bewachsen. Was wirklich toll ist, im Keitumer Tierheim können sich Besucher einen Hund zum Spazierengehen ausleihen. So hat schon manche große Liebe ihren Anfang gefunden.
Hunde sind auch im Restaurant Fährhaus in Munkmarsch erlaubt. Auf der Veranda des Restaurants fühlt man sich wie in den Südstaaten. Ein ganz besonderer Ort, den ich auch für ein besonderes Abendessen empfehlen kann. Köstliche Gerichte stehen auf der Speisekarte und wer sich einen Tisch in der Friesenstube reserviert, der hat obendrauf eine unvergessliche Location.



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Der Süden

Schon die Fahrt durch die Dünen nach Hörnum ist ein echtes Erlebnis. Dreimal die Woche öffnet hier der waschechte Friese Knud die Türen des Hörnumer Leuchtturmes und erzählt Geschichten von längst vergessenen Zeiten. Im Leuchtturm befindet sich auch ein kleines Standesamt, in dem schon 2.000 Ehen geschlossen wurden.


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Ein echtes Highlight ist der Ausblick vom Leuchtturm auf die Südspitze der Insel. Die sollte man auch einmal umrundet haben. Im Hafen von Hörnum gibt es fangfrische Miesmuscheln und wenn ihr viel Glück habt, ist die Kegelrobbe Willi am Hafenbecken des Hörnumer Hafens zu Besuch. Auch ein absolutes Muss im Süden von Sylt ist ein Besuch der weltbekannten Sansibar, die mitten in den Dünen liegt.
Mein Tipp: Wenn alles voll ist, lauft Richtung Strand. Hinter dem Häuschen vom Strandkorb-Verleih sind noch ein paar Tische – sogar mit Meerblick. Das beliebteste Gericht auf der Karte sind wohl die Trüffelpommes mit Parmesan.


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Ihr seht, auf Sylt ist so viel möglich und ich kann euch versichern – langweilig wird einem nie. Wer zum ersten Mal auf der Insel ist, sollte sich alles einmal anschauen. Seinen Lieblingsort wird man dann von ganz alleine entdecken. Meiner ist das Rote Kliff.