Lanzarote – Naturgewalten, die vier Elemente und unwirkliche Ruhe

Nur 140 Kilometer westlich von Marokko befinden sich die Kanarischen Inseln. Die nördlichste von ihnen, Lanzarote, ist zugleich auch die bizarrste und außergewöhnlichste. Auf Lanzarote fühlt man sich mit den kargen Mondlandschaften und den unglaublichen Farben, welche die Natur auf diese Insel zaubert, wie in eine andere Welt versetzt. Völlig zu Recht steht die komplette Insel seit 1993 als Biosphärenreservat unter dem Schutz der UNESCO.


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Um 1730 setzten eine Reihe von Vulkanausbrüchen ein, die sechs Jahre andauerten und die Insel in ihrer Form und Erscheinung sehr prägten. Ein Viertel des Eilands wurde von Asche begraben und an der Westseite formten sich die Feuerberge (Montañas del Fuego) aus über 100 Vulkanen. 1974 wurde das Gebiet Timanfaya zum Nationalpark erklärt und seither ist es Privatpersonen untersagt, durch die Feuerberge zu fahren oder zu laufen. Man kann jedoch verschiedene Bustouren durch den Park buchen – und sollte dies auch unbedingt tun, selbst wenn man sonst kein Fan von Gruppentouren und großen Bussen ist. Schnell verstehe ich den Sinn und begreife, wie wertvoll und schützenswert diese einzigartige Mondlandschaft ist. Die massiven Hügel in den unterschiedlichsten Rotfärbungen, die fast vegetationsfrei sind, erstrecken sich kilometerweit.


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Nicht weniger beeindruckend ist die grüne Lagune, die sich durch Überflutung eines Vulkankraters in „El Golfo“ gebildet hat. Der Kontrast zwischen rotem Fels, schwarzem Sandstrand, tiefblauem Meer und der grünen Lagune wirkt, als würde einen die Natur breit anlachen und sagen: „So etwas hast du noch nicht gesehen, oder?“ Nein, wirklich nicht. Die Natur auf Lanzarote ist einzigartig!


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Die Küste Lanzarotes ist über weite Strecken felsig, schroff und wild. Es gibt jedoch auch über 16 Kilometer Kies- und zehn Kilometer feine Sandstrände zu entdecken, so zum Beispiel den Strand Famara, der Surfer aus aller Welt anlockt und das kleine Städtchen Caleta de Famara zu einer „Surfertown“ hat werden lassen. Der feine Sprühnebel und die dunkle Steilküste im Hintergrund bieten aber auch eine traumhafte Kulisse – nicht nur für Surfer.


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Lanzarote ist karg bewachsen, was auch mit der Niederschlagsarmut zu tun hat. Regen fällt auf der Insel fast ausschließlich zwischen Januar und März, entsprechend eingeschränkt und schwierig ist es, auf der Insel Landwirtschaft zu betreiben. Süßkartoffeln, Melonen, Kürbisse, Tomaten und Gurken werden in der sandwüstenartigen Gegend am Rande der Tiefebene El Jable angebaut, während im Naturschutzgebiet La Gería die weit bekannten Malvasía-Weine entstehen. Der Kontrast der hellgrünen Weinreben, die in schwarzen Lava-Asche-Kegeln wachsen, welche die geringe Feuchtigkeit optimal speichern können, ist einzigartig.


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Eine besonders wichtige Persönlichkeit für die Insel war César Manrique. Auf Lanzarote geboren, war es sein Hauptanliegen, die Ursprünglichkeit der Insel zu bewahren. Er war ein Pionier auf dem Gebiet des „nachhaltigen“ Eco-Tourismus und versuchte, die Gegebenheiten der Landschaft mit diesem zu vereinbaren. Mit verschiedenen Projekten sorgte er für Baustopps und neue Baugesetze. Kein Gebäude durfte höher als eine ausgewachsene Palme sein, also maximal drei Etagen besitzen. Er ließ außerdem verschiedene Landschaftszüge „restaurieren“ und legte erste Schutzgebiete fest. So sind die Ruhe und Weite, die die Insel trotz Tourismus noch heute besitzt, zu großen Teilen César Manrique zu verdanken, der posthum als „bevorzugter Sohn“ betitelt wurde. Weitere Bauwerke Manriques sind die Jameos del Agua, wo man in einer ausgebauten Höhle mit einem unterirdischen Wasserreservoir dinieren kann, während im Hintergrund Live-Musik durch die Höhle schallt, sowie der Aussichtspunkt Mirador el Río.


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In Haría, dem Tal der 1.000 Palmen, findet man die einzige wirklich grüne Oase auf Lanzarote. Im übrigen Inselgebiet wachsen vor allem Ölbäume, Farn und Sukkulenten. So ist ein weiterer Ort, den César Manrique geschaffen hat, als Besonderheit zu betrachten: Sein Kakteengarten ist – neben Haría – einer der wenigen grünen Orte der Insel. Hier gibt es verschiedene Kakteenarten, teilweise mit Blüten geschmückt, teilweise in der Anmutung eines großen flauschigen Wolkenkissens. Manche sind unglaublich groß und wirken wie hundert Jahre alte Bäume, andere so klein wie die Kakteen, die wir zuhause auf unsere Fensterbank stellen würden.


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Nur ein Kilometer nördlich der Insel findet sich das Chinijo-Archipel, welches aus den Inseln La Graciosa, Montana Clara, Alegranza, Roque del Oeste und Roque del Este besteht. Vom Mirador el Río aus ist es ein Katzensprung nach Orzola, wo man die Fähre nach La Graciosa nehmen kann. La Graciosa (zu dt.: „die Anmutige“) ist die einzige bewohnte der fünf Inseln und einer der letzten bewohnten Orte Europas ohne befestigte Straßen. Die Einwohner bewegen sich ausschließlich in verstaubten Jeeps oder auf Fahrrädern über die Schotterpisten der Insel. Ein ausgedehnter Spaziergang durch wüstenartige Landschaften, an feine Sandstrände und zu ruhigen Lagunen ist jedoch gleichermaßen verlockend. Begleitet vom stets präsenten Passatwind kann man in aller Ruhe alten Fischern oder auch einfach nur den wilden Wellen des Atlantiks zusehen.


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Wissenswertes & Adressen:

Timanfaya Nationalpark:
Öffnungszeiten: 10 Uhr bis 17.45 Uhr, im Sommer etwas länger Eintritt: Erwachsene 9 Euro, Kinder (7 bis 12 Jahre) 4,50 Euro (inkl. 40 minütige Busfahrt durch die Feuerberge)

Weitere Sehenswürdigkeiten in Bezug zu César Manrique:

El Mirador del Río (bei Yé am Nordende der Insel):
Öffnungszeiten: 10 Uhr bis 17.45 Uhr, Eintritt: Erwachsene 4,50 Euro, Kinder (7 bis 12 Jahre) 2,25 Euro

Jameos del Agua (im nördlichen Teil der Ostküste):
Öffnungszeiten: 10 Uhr bis 18.30 Uhr, Eintritt: Erwachsene 9 Euro, Kinder (7 bis 12 Jahre) 4,50 Euro

Jardín de Cactus (in Guatiza):
Öffnungszeiten: 10 Uhr bis 17.45 Uhr, Eintritt: Erwachsene 5,50 Euro, Kinder (7 bis 12 Jahre) 2,75 Euro

La Graciosa:
In Órzola nimmt man die Fähre und ist in kurzer Zeit in Caleta del Sebo auf La Graciosa. Auf der Insel selbst kann man sich Mountainbikes mieten oder die Insel zu Fuß erkunden. Alternativ können auch „Jeep-Taxis“ gebucht werden. Hier sind die Preise allerdings eher hoch, so dass sich diese Variante vor allem für Gruppen lohnt.

La Gería:
In den 60er Jahren vom New Yorker Museum of Modern Art zum „Gesamtkunstwerk“ erklärt, sollte man sich das Weinanbaugebiet „La Gería“ unbedingt ansehen und die verschiedenen Weine der Insel probieren.