Lekker, lekker – auf den Spuren der holländischen Kulinarik



Seit geschlagenen acht Monaten darf ich mich nun „verdammt stolze Wahl-Holländerin“ nennen – und ich muss sagen, ich habe so einiges entdeckt, was ich vorher gar nicht über Holland wusste. Zum Beispiel, dass es zum Bier meistens Fleischbällchen gibt, dass hier zu Pommes Erdnusssauce gereicht wird oder dass die Holländer ihren Hering am liebsten am Strand essen. Und sonst so? Um das herauszufinden, begebe ich mich auf eine kulinarische Tour durch Holland und probiere mich durch alle Schandtaten im Paradies der süßen und frittierten Dinge!

Pommes-Schale.JPG



Eine Tüte Pommes, bitte!

Es ist Sonntagmittag und es kann in diesem Moment nichts Schöneres geben als eine ordentliche Portion Pommes. Genüsslich picke ich in das gold-gelbe längliche Etwas und dippe es in meinen Lieblingsmix aus Mayonnaise, Saté-Sauce und Zwiebeln. „Friet oorlog“ nennt man das hier, was (frei übersetzt) Frittenschlachtfeld bedeutet – denn ich bin in Holland und hier existiert eine ganz eigene Pommeskultur. An jeder Ecke warten Schilder mit „Vlaamse Friets“, „Friets“ oder „Patat“ auf mich und alle bedeuten das Gleiche: Es gibt Pommes. Das besondere an den holländischen Pommes ist, dass sie zweimal gebacken werden und deshalb extraknusprig sind. Meine persönlichen Lieblingspommes ordere ich übrigens bei „Manneken Pis“, direkt in der Nähe des Hauptbahnhofs.

Pommes -Amsterdam.JPG



Frische Brise und frischer Fisch an der holländischen Küste

Wenn eine frische Brise weht und der Wind durch meine Haare bläst, dann sitze ich mit ziemlicher Sicherheit am Strand von Zandvoort oder Noordwijk an der holländischen Küste und beiße in mein Fischbrötchen. Entlang des Strandes stehen hier viele kleine Fischstände, an denen frischer Fisch und auch frittierte Fischhappen plus Pommes verkauft werden. Letzteres heißt in Holland nicht „Fish and Chips“, sondern „Kibbeling“ und wird mit Remoulade serviert.

Strand-Zandvoort.JPG

Eine ganz besondere Spezialität in Holland ist allerdings der frische Hering, der entweder am Schwanz gepackt direkt verzehrt oder ganz traditionell im Brötchen serviert wird. Ein Besuch an der holländischen Küste darf nicht ohne ein Fischbrötchen beendet werden!

Fischbroetchen-Zandvoort.JPG



Zum Bier gibt’s Borrelhapjes

Wenn die Sonne langsam untergeht und sich die zahlreichen Terrassen in den holländischen Städten füllen, dann ist Borrel-Zeit. „Borrel“ bedeutet übersetzt eigentlich nur: gemütlich in einer Bar oder einem Café sitzen, quatschen und den Feierabend oder das Wochenende genießen. Genau das tun die Holländer nämlich nach Herzenslust. Zum Bier gibt es dann meist die typischen Borrelhapjes. Dabei handelt es sich, je nach Ort und Laden, um eine gemischte Platte aus verschiedenen frittierten Leckereien oder um einzelne kleine Portionen.

Bitterballen.jpg

Die klassischen Borrelhapjes sind die Bitterballen: mit einer Art Ragout gefüllte, frittierte Bällchen, die meist in einer Portion von sechs Stück und mit Senf serviert werden. Vegetarische Varianten lassen sich nur mit sehr viel Glück in weniger traditionellen holländischen Bars finden. Alternativ gibt es dafür die Kaastengels oder das Kaassoufflé. Beides ist eine Art frittierte Käsestange, gedippt wird – natürlich! – in Senf.

Für einen wunderbaren Borrel setze ich mich am liebsten in das Restaurant „Van Puffelen“ in der Prinsengracht. Hier stehen draußen Stühle und drinnen alte Tische auf knarrendem Boden. Und die Käsestangen sind einfach die allerbesten!

Wer einmal durch die Straßen von Amsterdam oder Utrecht läuft, der wird nicht an einem „Febo“ oder einem „Smullers“ vorbeikommen. Beide Läden wirken von außen wie eine Art Schließfach-Sammelsurium, denn ihre Front besteht jeweils aus kleinen Fächern, die mit den komischsten Leckereien gefüllt sind. Ich werfe zwei Euro in einen Schlitz, das Türchen öffnet sich und ich kann meine Kroketje herausnehmen und genießen. Eine Art „Grab-and-Go“ für Essen.

Ein Besuch bei „Febo“ und Co. muss nicht unbedingt auf der Liste eines Urlaubs in Holland stehen. Wer sich trotzdem daran versuchen möchte, der sollte aber unbedingt eine Kroketje und eine Frikandel probieren. Letzteres ist ein Mix aus Wurst und Frikadelle, der mit Mayonnaise, Ketchup und Zwiebeln serviert wird. Auch die Kroketje ist ein mit Fleisch gefülltes, frittiertes Ding, das sehr an unsere, deutschen Kroketten erinnert und meistens in einem Brötchen landet. Außer bei „Febo“ und „Smullers“ – da gibt es die Kroketje einfach auf die Hand.



Alles Käse in Holland

Käse gehört zur holländischen Kultur wie das Brot zur deutschen. Nichts, wirklich nichts geht ohne! Am beliebtesten und weitesten verbreitet ist der Gouda, der so heißt, weil er aus der holländischen Stadt Gouda stammt. Ich setze mich am liebsten in eine echt holländische Bar wie das „Van Puffelen“ in Amsterdam, bestelle ein Glas Heineken-Bier und dazu eine Portion alten Käse. Der alte Käse ist sehr herb und wird in Würfeln und mit Senf und sauren Gurken serviert. Wer lieber milden Käse mag, der sollte jungen Gouda bestellen.

Käse.JPG

Wer nur mal kurz probieren möchte, kann auch in einen der unzähligen Käseläden gehen. Die meisten Sorten werden hier zum Probieren angeschnitten. Aber Achtung: Jedes Mal, wenn ich losgehe und nur snacken möchte, kaufe ich am Ende doch einen Käse.


Für den süßen Gaumen: Poffertjes, Waffeln, Stroopwaffeln, Pfannkuchen und Hagelslag

Holland ist ein Paradies für alle, die Süßigkeiten lieben! Ob Pfannkuchen, Waffeln oder Schokostreusel, die schon morgens aufs Brot gestreut werden – hier gibt es einfach alles für den süßen Gaumen.

Apfelkuchen-Winkel.JPG

Wer sich einmal durchs Süßigkeitenparadies futtern will, der sollte auf dem „Pannenkoekenboot“ in Amsterdam anfangen. Hier isst man 75 Minuten lang so viele Pfannkuchen, wie man will und schafft, und schippert quasi nebenbei durch die holländischen Gewässer. Ich selbst bleibe lieber an Land und gönne mir stattdessen einen herzhaften Pfannkuchen mit Lachs und Frischkäse in der „Pancake Bakery“.

Ein weiteres Highlight, das man an einigen Straßenecken finden kann, sind die frisch zubereiteten Stroopwafels – zwei dünne Waffeln, die mit Honig, Butter oder Karamel zusammengeklebt werden und heiß am allerbesten schmecken. Meine Favoriten stellt der „Goudse Stroopwafel“-Stand auf dem Albert Cuypmarkt her – lekker!

Stroopwaffeln.jpg

Typisch holländisch sind auch Poffertjes – Minipfannkuchen, die auf Papptellern, mit Puderzucker und vor allem mit einem ganzen Berg Butter serviert werden.

Poffertjes.jpg

Übrigens: Wer einmal in Holland war und keinen Hagelslag probiert hat, der hat Holland nicht geschmeckt. Hagelslag sind Schokostreusel, die generell auf alles gestreut werden – morgens aufs Butterbrot, nachmittags auf den Kuchen, die Pfannkuchen oder die Waffeln. Sie gehören für die Holländer einfach dazu, genauso wie der Käse und die Pommes.

Annes Restaurant-Tipps:

Manneken Pis: http://www.mannekenpis.nl/

Van Puffelen: http://www.restaurantvanpuffelen.com/en

Pancake Bakery: http://www.pancake.nl/

Albert Cuypmarkt: http://www.albertcuypmarkt.nl/