24 Stunden bei Sissi in Wien



Rumms macht es, als die Karte vor meinen Augen auf den Tisch klatscht. Gleichzeitig wirft mir die Kellnerin einen Blick zu, der an eine ganz, ganz schlecht gelaunte Großmutter erinnert. Ich schiebe ihn auf das zu heiße Wetter und denke mir, dass das wohl die Wiener Art ist. Nach Erklärungen zu den Dingen auf der Karte zu fragen, traue ich mich nicht. Sachertorte, Sperltorte – ich weiß nicht, was das ist. Ich war noch nie in Wien und habe keine Ahnung, was mich erwartet.


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Uriger Morgen im Café Sperl

Ich sitze im Café Sperl und starte hier meine 24 Stunden in Wien. Ohne Plan und ohne Ahnung, wie der Tag wohl werden könnte. Das Café Sperl ist charmant-staubig. Vergilbte Poster hängen an der Wand, alte Zeitungen liegen auf den Tischen. Ich kann mir gut vorstellen, wie hier schon früher Autoren und Journalisten saßen, die an ihrem Buch oder Artikel arbeiteten. Bei mir bleibt es heute bei einer Sperltorte, die es in sich hat: zarte Milchschokolade, Vanille, Zimt und köstliche Mandelmasse.


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Naschen auf dem Naschmarkt

Die Girardigasse führt mich von hier aus mitten auf den Naschmarkt. Schon von Weitem rieche ich ihn: Der Duft von orientalischen Gewürze, Süßigkeiten und Kaffee liegt wie eine Wolke über dem Platz, auf dem die Stände liebevoll in Reih und Glied aufgebaut sind. Ich schließe mich dem Touristenstrom an und schlängele mich durch die enge Gasse, die rechts und links alle möglichen Stände säumen.


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Neben mir schlürft eine Gruppe älterer Herren Austern, während die Dönerspieße auf der anderen Seite von Stand zu Stand schmaler werden. Ganz hinten in der Ecke werden Tapas zu Russiapop verkauft und zwischendurch bekomme ich immer mal wieder eine Orange oder einen Löffel Granatapfelkerne gereicht – „zum Probieren!“, wie mir die überambitionierten Verkäufer zurufen. Ich liebe diese Ansammlung kleiner Stände aus verschiedensten Kulturen und Nationen.


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Intellektuelle Siesta im Museumsquartier

Ich muss gestehen, dass es eine Sache gibt, die ich nie auf einem Städtetrip mache: in ein Museum gehen. Ich finde, das kann man nur machen, wenn man wirklich viel Zeit hat, aber nicht, wenn es nur 24 oder 48 Stunden sind. In Wien zieht es mich aber trotzdem ins Museumsquartier. Und zwar, weil meine österreichische Freundin von irgendwelchen „tollen Stühlen“ geschwärmt hat.

Vom Naschmarkt aus sind es nur knapp 15 Minuten zu Fuß über den Getreidemarkt, bis ich mich im Museumsquartier befinde und staunend feststelle, dass die meisten Leute eher auf Stühlen liegen und die Sonne genießen, als durch die Museen zu marschieren. Das Wiener Museumsquartier ist mit 60 kulturellen Einrichtungen eines der größten der Welt – dabei aber auch verdammt cool. Und so wird der Platz, der die verschiedenen Museen miteinander verbindet, im Sommer dank der vielen kleinen Höfe zu einer Freiluft-Lounge. Mein Lieblingsort? Die blauen Plastikgebilde, die Enzos heißen und perfekte Liegen sind. Hier packe ich mein Falafelbrot vom Naschmarkt aus und fühle mich ein bisschen wie eine echte Wienerin.


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Historischer Marsch durch den wunderschönen Stadtkern

Vom Museumsquartier aus bin ich nur eine Ampelphase von dem Ort entfernt, an dem Geschichte geschrieben wurde. Hier wirken die prächtigen Gebäude Tausende von Jahren alt.


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Ich frage mich, wie die damals wohl gebaut wurden? Wer schafft es, etwas so unglaublich Schönes zu schaffen? Die Nationalbibliothek, die Hofburg, die Staatsoper – ich kann es gar nicht fassen. Vor mir liegt ein perfekt angelegtes Areal aus Parkanlagen und tollen Gebäuden mit diesem besonderen Charme, der nur noch perfektioniert werden könnte, wenn Sissi auf einem Schimmel angeritten käme. Wien, jetzt hast du mich!


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Es gibt eine Sache, die auf meiner Wien-Liste ganz oben stand, weil ich sie unbedingt sehen wollte: den Stephansdom. Ich spaziere durch die kopfsteingepflasterten Straßen, vorbei an Vintage-Läden, an kleinen süßen Cafés und Heurigen, wo Wein aus eigenem Anbau zusammen mit köstlichen Brotzeiten verkauft wird. Ich laufe so lange, bis er endlich vor mir in den Himmel ragt: der riesige Dom. So herrschaftlich und alles dominierend! Ich bin sprachlos.


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So sprachlos, dass ich mir eine „Eitrige mit a Halbe“ am für Wien urtypischen Würstelstand kaufe. Was das ist? Das muss jeder Wien-Besucher selbst herausfinden!


Kindheitserinnerungen auf dem Prater

Vom Stephansdom aus nehme ich die U1 und fahre zum Prater. Schon beim Verlassen des Bahnhofs höre ich Kinderlachen und das Gebimmel vom Autoscooter. Ach, wie schön – ein Rummel, den man das ganze Jahr über besuchen kann. Ich freue mich riesig und schwelge in Erinnerungen an die Zeit, in der mir auf dem Weihnachtsmarkt die Hände an den Eisenstangen der Wilden Maus fast abgefroren sind. Die Zeit, in der ich durchs Gruselhaus gewandert bin und mich an jeder Ecke erschreckt habe. Danke, Wien! Du schaffst es nicht nur, wunderschön auszusehen, sondern lässt in mir Geschichten aus meiner Kindheit aufleben, die schon längst in Vergessenheit geraten sind.


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Thai-Curry an der Donau und der Abend ist perfekt

Als sich der Himmel langsam orangerot färbt, gehe ich in Richtung Fluss. Denn an der Donau gibt es viele kleine Beachbars, die echtes Strandfeeling mitten in der Stadt aufkommen lassen.


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Ich setze mich in den Beachclub Adria Wien und bestelle mir das wohl authentischste Thai-Curry, das ich jemals außerhalb von Thailand gegessen habe.


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An einem Stand in der hintersten Ecke des Ladens steht eine kleine Thailänderin, die aus riesigen Töpfen das selbstgemachte Curry in kleine Körbe füllt.


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Wien, ich glaube, ich mag dich ganz schön gern! Ich mag deine kleinen Gassen und die hippen Läden in den alten Häusern. Du bist die perfekte Stadt für einen Wochenendausflug. Ur-leiwand eben!

 

Hier gibt es noch mehr Infos zu meinen Lieblingsadressen:

Mehr Infos
Café Sperl
Museumsquartier
Beachclub Adria Wien