24 Stunden in Istanbul

Der Wind weht mir durch die Haare und über mir drehen die Möwen ihre Runden. Der Tee wärmt mich an diesem Morgen noch mehr als am Tag zuvor. Ich schippere von Kadıköy nach Beşiktaş, also von Asien nach Europa – und das alles in einer Stadt. Istanbul haut mich jetzt schon vom Hocker. Jungs laufen die Fähre auf und ab, balancieren kleine Gläser auf ihrem Tablett und fragen immer wieder aufs Neue, ob noch jemand Tee möchte. Ältere Herren verkaufen Sesamringe, die man hier Simit nennt. Und das alles spielt sich ab, während wir auf dem Bosporus schippern, die asiatische Seite hinter uns lassen und uns langsam, aber sicher dem geschäftigen und unruhigen europäischen Istanbul nähern.


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Der Tag beginnt am besten mit einem türkischen Frühstück

Die Fähre legt an und mir knurrt schon langsam der Magen. Deshalb springe ich direkt in den Bus nach Kuruçeşme, denn dort gibt es zahlreiche kleine Cafés, die sich direkt am Wasser befinden. Ich entscheide mich für das „Aşk Kahve“ und habe eindeutig die richtige Wahl getroffen. Die Terrasse ist nicht groß, aber genau so ausgerichtet, dass ich von hier den besten Blick auf das Wasser habe, auf die Angler, die am frühen Morgen schon ihr Glück versuchen, und auf die Einheimischen, die langsam in ihren Tag starten. Das türkische Frühstück ist einfach das allerbeste der Welt, das kann ich nach einer Woche Istanbul und fünf verschiedenen türkischen Frühstücksplatten bestätigen. Käse in allen Formen und Varianten, massig Brot, Oliven, Tomaten, Rührei und Wurst, eine Art Tzatziki und Honig mit Sahne – das Auswahl ist unglaublich.


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Ein Stadtspaziergang entlang des Bosporus

Weiter geht es von hier aus auf einen Verdauungsspaziergang Richtung Bebek. Dieser führt entlang des Bosporus, vorbei an unzähligen Anglern und tollen Villen, die weit entfernt von meiner persönlichen Vorstellung von Istanbul liegen.


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Bebek ist ein inspirierender Ort mit einem ganz besonderen Flair und versprüht halb-französischen und halb-türkischen Charme. Von hier aus nehme ich den Bus bis zum Beşiktaş Stadion, spaziere weiter nach Kabataş, fahre mit der Metro nach Karaköy, um über die unglaubliche Galatabrücke nach Eminönü zu laufen. Eine Menge Namen, die man sich weder merken noch aussprechen können muss. Wichtig bei einem Städtetrip in Istanbul ist einzig und allein: sich treiben zu lassen!


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Istanbul strotzt nur so vor Sehenswürdigkeiten – ein kleiner Überblick

Nach meinem Stadtspaziergang gönne ich mir ein paar Touristen-Spots, die bei einem Besuch in der Millionenstadt einfach sein müssen: Die Blaue Moschee, die Hagia-Sophia-Moschee und der Topkapi-Palast stehen auf meinem Plan.


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Wie überall auf der Welt sind diese Touristenplätze umringt von Händlern. Schnell erhöht sich der Preis einer Wasserflasche von ein paar Cent auf einen Euro. Trotzdem sind die Orte sehenswert. Besonders die Hagia-Sophia-Moschee lohnt sich von innen, denn dort sieht man Spuren der religiösen Entwicklung: eine Abbildung von Jesus erinnert an die Zeiten, als dies noch eine Kirche war, rechts und links davon befinden sich Abbildungen des Islams. Heute ist das Gebäude weder Kirche noch Moschee, sondern eher ein Museum – und zwar eines der interessantesten Istanbuls.


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Auf ein Fischbrötchen nach Eminönü

In Eminönü tobt das Leben. Gerade abends packen die Einheimischen ihre Stände aus und bieten so ziemlich alles an, was man sich vorstellen kann. Auf, unter, vor und hinter der Galatabrücke findet man türkische Männer, die kleine Fische – Balik Ekmek – auf einem Grill brutzeln. Unbedingt ausprobieren! Das ist der Döner unter den Fischbrötchen... oder so ähnlich. Jedenfalls handelt es sich um einen frisch gegrillten Fisch in Fladenbrot mit Salat: ein Gaumenschmaus für wenig Geld.


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Galata lässt Berliner Hipster-Herzen höher schlagen

Über die Galatabrücke hinweg, fahre ich mit der Tünel-Bahn nach Beyoğlu: Willkommen in Klein-Berlin! So wie Kreuzberg und Neukölln in Berlin als „Klein-Istanbul“ bezeichnet werden, verdient Beyoğlu den Namen „Klein-Berlin“. Als Tagesabschluss rate ich jedem Besucher in Istanbul einen Spaziergang durch dieses tolle Viertel zu machen. Hier findet der Berliner seine Ruhe. Gemütlich geht’s durch kleine Gassen, vorbei an Graffiti, das an die deutsche Hauptstadt erinnert. An einigen Ecken kann Shisha geraucht oder ein frisch gepresster Saft verzehrt werden.


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In den kleinen Gassen ist vor allem die alternative Szene Istanbuls zu erkennen. Gerade das Kolektif 26A macht meine Beyoğlu-Tour vollkommen. In dieser Bar scheint jedes Detail „Wir wollen keinen Kapitalismus!“ zu schreien. Charme hat der Laden trotzdem... oder gerade deshalb? Nach einem Kahve im Kolektif 26A gehe ich weiter, vorbei an brandneuen Bars, ins Kiki, einem Bar-Restaurant, das dienstags und donnerstags zwischen 19 und 21 Uhr kostenlose Vorspeisen anbietet – und das ganz entspannt auf der Terrasse.


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Istanbul gehört schon lange zu meinen absoluten Lieblingsstädten in Europa. Das liegt nicht nur an der Türkei, die ich sowieso unglaublich liebe. Nein, es ist vielmehr der Mix aus europäischer Ordnung und asiatischem Gewusel, der diese Stadt besonders macht. Während der „Große Basar“ noch ein verrückter Markt ist, auf dem es nach Orient riecht, landet man ein paar Meter weiter auf dem Campus der Uni und alles wirkt plötzlich ganz korrekt, europäisch eben – und schon wird der Orient vom Okzident abgelöst. Verrücktes, schönes Istanbul!


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Hier gibt es noch mehr Infos zu meinen Lieblingsadressen:

Aşşk Kahve
Kolektif 26A
Kiki