Kapstadt mal anders - Annika's spannende Reise durch die Townships



Spätestens seit der Fußballweltmeisterschaft 2010 ist Kapstadt vielen Deutschen als Urlaubsdestination bekannt; die schönen Strände wie zum Beispiel Camps Bay, Blouberg Beach oder Clifton 1,2,3 und 4 laden zum Sonnen ein, in den Weinbergen von Stellenbosh oder Parl kann man sich leckere Weine munden lassen und ein Besuch auf den Tafelberg ist natürlich ein MUSS für jeden Besucher. Die vielen Ferienhäuser in und rund um Kapstadt sind super ausgestattet und laden zum entspannen ein.

Wenn man das „richtige“ Kapstadt kennenlernen möchte empfiehlt sich eine Tour in die naheliegenden Townships wie Langa, Khayelitscha oder Guguletho. Die Townshipstouren haben nicht immer das Beste Image bei den Touristen, es gibt Bedenken um die Sicherheit oder man fühlt sich nicht wohl bei den Gedanken mit einem Bus durch die Viertel zu fahren und die Menschen da zu beobachten, denn dies ist noch das Bild einer typischen Townshiptours. Doch wie das gesamte Land ist auch der Tourismus im Wandel.

Der Trend geht hin zur interaktiven Tour. Der Grundgedanke dieser neuen Art der geführten Touren ist, dass Touristen miteinander interagieren und ein Teil der Einnahmen an Personen und Projekte in den Townships um Kapstadt geht.

Ich persönlich habe ein Jahr in der schönsten Stadt der Welt verbracht und viel in den Townships gearbeitet. Für meine Abschlussarbeit habe ich verschiedene interaktive Touren getestet, die sich den Responsible Tourism als Aufgabe gesetzt haben, und möchte euch gerne einige davon ans Herz legen:


Cape Malay Kochsafari

Die Tour ist das Aushängeschild von „Andulela Tours“, die kleine Firma sieht ihre Kunden als Gäste und möchte ihnen zeigen, was sie außerhalb der touristischen Pfade finden können.
Die Cape Malay Kochsafari wurde schon in den Medien, wie u.a. der New York Times, Lonely Planet oder Discovery Channel, erwähnt und ist sehr beliebt, auch weil sie mitten in Kapstadt stattfindet.
Die Kapmalaien (Cape Malay) stammen von den muslimischen und malaiischen Sklaven zur Zeit der Niederländischen Kolonialherrschaft ab und wohnen Hauptsächlich am Westkap, viele im bunten Stadtteil Bo Kaap.

Hier vor dem Bo Kaap Museum trifft sich die Gruppe an Gästen mit dem Guide Sabelo. Man wird in die Geschichte des Stadtteils und deren Bewohner eingeführt inklusive einer kleinen Wanderung. Das Ende dieser Wanderung ist der Shops „Atlas Trading“, wo man schon von Weiten den Duft von Ingwer, Koriander, Karmadon, Zimt, Chilli und vielen anderen Gewürzen. Doch es ist nicht nur ein einfacher Einkauf, man wird hinter die Kulissen des Ladens und darf alle Gewürze schmecken und riechen. Es ist nicht immer einfach das richtige Gewürz zu erraten.

Muss eine Tüte voller Gewürze machen wir uns zum pinken Haus von Faldelah Tolker, sie ist heute unsere Gastgeberin und Kochlehrerin. Sie empfängt uns mit einem Erfrischungsgetränk aus Rosen und eher wir uns versehen schnippeln wir schon die Zutaten für eine Salse und die Füllung für die Samosas, die müssen wir natürlich auch selber falten und sind froh, dass der leckere Inhalt aus Huhn und Gewürzen auch im Teig bleibt. Als Hauptgericht gibt einen leckeren Hühnchen Curry-Eintopf mit unseren frisch eingekauften Gewürzen und dazu frittierte Chilli-Teig Bällchen. Gegessen wird, wie in der Familie üblich, mit der rechten Hand. Bei Tisch erzählt Faldelah viele Anekdoten über das Kochen, das Leben im Bo-Kaap oder ihre Lieblingsplätze in Kapstadt. Am liebsten erzählt sie jedoch von ihrer Familie, ihren Mann, ihren 4 Kindern und ihrer süßen Enkelin.

Nach dem Hauptgang gibt es noch Koeksisters, frittierte Teigzöpfe in Sirup, Kalorienarm ist was anderes, aber wir sind ja auch hier um zu genießen und eine neue Esskultur kennen zu lernen. Nach ca. 3 Stunden verlassen wir pappsatt das Haus und haben eine neue Freundin in Kapstadt, Faldelah.

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Die Zutaten für das Essen bei Fadelah
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Leckere Cillibites und Chickencurry



Cape Town Jazz Safari

Der neue Jazz Kapstadts ist modern und vielfältig und erlebt zurzeit einen Durchbruch. Die kleine Agentur „Coffeebeans Routes“ bietet hierzu eine Tour an, bei der man die Musiker zuhause kennenlernt und eine kleines Wohnzimmerkonzert, sowie leckere lokale Gerichte genießen kann. Neben der Jazztour bieten die Kaffeebohnen auch andere thematische Touren in den Townships an, wie die Cape Town Art Tour, die Cape Town Reggea Route oder Township Futures. Obwohl letzteres den Namen beeinhaltet mögen die Jungs von Coffeebean Routes den Begriff Township oder har Slum nicht, sie sehe diese eher als Vorstädte von Kapstadt, die in der Zukunft mehr und mehr zum Stadtkern werden und den Bewohner viele Möglichkeiten gibt.

Zu Beginn der Tour treffen wir uns im Büro der Coffeebean Routes, wo wir uns auch gleich mit dem Guide Michael in den VW Bus setzen und Richtung Gugulethu fahren. Wir halten vorm Haus von Sheila und ihren Mann, dieser spielt Gitarre und gehört zu den Musikern, die an den Jazz Safaris teilnehmen. Heute wird er gesanglich und auf der Trommel von seiner Nichte Zami, einer begnadeten Jazz-sängerin, begleitet.

Kaum sind wir zur Tür rein werden wir freundlich von der Familie mit einem Willkommensdrink begrüßt. Aus der Küche kommt die Nachbarin, die Sheila beim Kochen geholfen hat. Nach kurzer Zeit setzen sich alle aufs Sofa und hören Zami und ihren Onkel zu. Zami ist die geborene Entertainerin und involviert das Publikum indem sie verschiedene Rhythmusinstrumente an die Gäste verteilt.

Nach einiger Zeit wird zu Tisch gebeten und man darf von den köstlichen Xhosa-Gerichten kosten. Ihr Chicken alá Sheila ist ein Gedicht, das Rezept bekommt aber niemand.

Nach dem Essen werden noch einige Lieder zum Besten gegeben und am Ende tanzen die Gäste mit der Familie und hinzugekommenen Nachbarn in dem kleinen Wohnzimmer.

Wer glaubt, dass die Tour hier vorbei ist irrt sich. Wir setzen und wieder in den kleinen Bus und fahren ins Swingers, einer Jazzbar in einem Vorort, in dem sich selten Touristen verlaufen. Zami ist auch dabei, sie hat sich spontan entschlossen mitzufahren. Heute Abend ist hier Jamsession, jeder darf spielen. Die Stimmung ist ausgelassen und man beendet den schönen Abend mit einem Bier und lauscht den Tönen der Musiker.



Townshiptour mit dem Fahrrad

Awol Tours („A world of Learning“) ist ein kleiner Touroperator, der sich auf Wander- und Fahrradtouren spezialisiert hat.Neben der vielen Touren in die wunderschöne rund um die Stadt am Kap der guten Hoffnung bietet das Team auch eine Fahrradtour durch das Township Masiphumelele an. Masiphumelele ist ein Township zwischen den Kap und die Stadt und wird selten von Touristen besucht, Awol tours betreuen hier das Projekt BEN („Bicycle Empowerment Network“) wo alte, gespendete Fahrräder repariert werden und gratis oder für wenig Geld an die Bewohner des Townships überlassen werden, sodass diese einen leichteren Arbeitsweg haben.

Wir treffen unseren Fahrer an der Waterfront und werden entlang der wunderschönen Küstenstrassen zur BEN-werkstatt nach Masiphumelele gefahren. Hier treffen unsere lokalen Guide und bekommen unsere Fahrräder. Wir werden sehr schnell von den Kindern bemerkt, die versuchen auf unsere Gepäckträger zu springen und sich dann „iteksi, iteksi“(Taxi, Taxi)-rufend von uns chauffieren zu lassen.

Unsere erste Station ist ein Kinderhort, wo wir Decken abliefern, die Touristen gespendet haben. Die Kinder freuen sich riesig und die Betreuerinnen haben Tränen in den Augen. Nachdem wir uns verabschiedet haben ging es weiter zum Krankenhaus und einer Bücherei, die auch von Tourismus und Spenden profitieren. Danach fahren wir immer weiter rein ins Township, die Wege zwischen den Wellblechhütten werden immer enger und wir müssen absteigen und schieben. Von allen Seiten werden wir begrüßt und angelächelt. Wir halten von der Hütte einer Sangoma, einer traditionellen Heilerin, die uns von ihrer Arbeit und ihren Leben erzählt und mit ihrer Schülerin spirituelle Tänze vorführt während ihre Familie dazu singt und trommelt. Die Unterhaltungen waren sehr anregend und inspirierend und man fühlte sich sehr wohl bei der Familie.

Der letzte Halt unserer Tour ist eine Sheebeen („Kneipe“) neben einer Schlachterei, wo wir gegrilltes Fleisch und Salat bekommen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich bin dahin noch nie so lecker mariniertes Fleisch gegessen haben. Da es einfach zu große Portionen waren, haben wir ein paar Kinder von Straße eingeladen mitzuessen. Diese war ein toller Abschluss einer unvergesslichen Tour.

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Unsere Fahrräder vor der Masivelane Children Care



Township Tour zu Fuss

Faizal Gangat ist arbeitet seit über 12 Jahren als Tourguide und hat schon Stars wie Morgan Freeman oder Meryl Streep die wunderschöne Mother City und das Kap der guten Hoffnung gezeigt. 2003 gründete er seine eigene Tourfirma, Cape Capers, deren Aushängeschild die „Township Experience“-Tour ist, bei der man zu Fuss das Township Langa erkundet.

Wir starten im District Six-museum in Kapstadt, wo wir erst einmal mehr Geschichte der Townships und die Apartheid erfahren. Danach geht es nach Langa, genauer gesagt zur Guga S’tebe Art and Community Centre, wo wir uns über die soziale Projekte informieren, lernen zu trommeln und die Möglichkeit haben ein paar handgemachte Souvenirs kaufen.

Hier treffen wir auch unseren Guide Boome, die in einer Wellblechhütte in Langa wohnt. Mit ihr gehen wir 40 Minuten durch das Township, erkunden die verschiedenen Wohnverhältnisse, besuchen den Markt und lernen viel über Langas Geschichte und Zukunft, sowie die sozialen Projekte. Boome redet auch offen über heikle Themen, wie zum Beispiel HIV, und gibt uns das Gefühl gute Freunde zu sein. Wir lernen auch Teile ihrer Familie kennen und fühlen uns sehr wohl.

Danach geht es mit unseren Fahrern zu verschiedenen wichtigen Orten in Langa, wie zum Beispiel das Langa Memorial, und enden an einem Township Restaurant, wo wir leckere Xhosa Gerichte essen und „Ginger Beer“ (Ingwerlimonade) trinken. Wir haben den Tag sehr viel über Langa gelernt und wurde überall freundlich begrüßt, man hat sich wirklich wie ein Freund gefühlt.



Mit Uthando soziale Projekte unterstützen

Uthando ist Xhosa und bedeutet „Liebe“. Mit Uthando hat James Ferrie eine Non-Profit-Organisation in Leben gerufen, deren Ziel es ist Fonds und andere Unterstützung für soziale Projekte in Südafrika zu erhöhen.

Eine Tour mit Uthando funktioniert folgendermaßen: Man schreibt James was einen interessiert und er sucht Projekte aus, die einen gefallen könnten. Bei mir wird es eine Überraschungskiste, ich bin nämlich mit einem Kamerateam unterwegs, das für James einen Film für eine Spendengala dreht.

Unser erster Stopp ist ein Gartenprojekt mitten im Township von Langa, hier pflanzen Damen aus dem Township Gemüse für die Community an und werden von ehemaligen Häftlingen unterstützt, als Teil der Resozialisierung. Es ist sehr imponierend, was die Mamas alles anpflanzen. Danach fahren zur einen Projekt, das ältere Mitgleider der Community betreut. Hier werden sie medizinisch versorgt und machen Handarbeiten, zum Beispiel Seife. Nach einem weiteren Community Garden besuchen wir die Madzananda Animal Clinic Khayelisha, wo den Bewohnern eine günstige Behandlung ihrer Vierbeiner angeboten wird und herrenlose Vierbeiner versorgt werden. Nach einen Besuch in dem Kinderhort, Kiddies Educare Center, besuchen wir „Learn to Earn“, einer Institution, wo Arbeitslosen eine Perspektive gegeben wird und sie die Möglichkeit haben verschiedene Sachen wie Nähen, IT, Backen, Holzwerken und vieles mehr lernen. Im Hauseigenen Restaurant bekommen wir eine Stärkung und lassen den spannenden Tag und die vielen Eindrücke erstmals sacken.

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Die Madzananda Animal Clinic in Khayelitsha



Auf allen Touren wurde uns gezeigt, wie wichtig es den Organisatoren ist, dass wir unser Bild von den Townships überdenken und die Bewohner kennenlernen. Auch wird dafür gesorgt, dass die Projekte und Guides ihren Anteil bekommen und somit werden auch neue Jobs erschaffen. Wenn man seinen Urlaub in einen Ferienhaus in Kapstadt macht ist also die Teilnahme einer interaktiven Tour durch die Townships sehr zu empfehlen.


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