Experten-Interview: Mit Profi-Fotos Gäste locken

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum das Ferienhaus Ihres Nachbarn besser gebucht wird als Ihres, obwohl sich Ausstattung, Lage und Preis ähneln? Ein Grund können die Fotos sein, die Sie in Ihrem Inserat verwenden. Denn wer die Vorzüge und Details seiner Ferienimmobilie nicht optimal in Szene setzt, erregt bei den potenziellen Gästen weniger Aufmerksamkeit. Schließlich sind die Fotos die Visitenkarte Ihres Urlaubsdomizils und entscheiden oft in wenigen Sekunden, ob ein Interessent das Inserat liest oder weiterklickt.  Wie Sie selbst professionell wirkende Fotos machen können und auf welche Details Sie dabei achten müssen, erklärt Ihnen Helmut Sprenger, Fotograf und Spezialist für Immobilienfotografie, im Experten-Interview.

 

 

Etwas Grundsätzliches: Viele Vermieter glauben, nur mit einer großen Profi-Ausrüstung wirklich schöne Bilder machen zu können. Funktionieren gute Fotos auch mit einer kleinen Digitalkamera, die fast jeder Haushalt im Wohnzimmerschrank hat?

Auch mit einer preiswerten Kamera lassen sich gute Fotos machen, wenn man ein paar grundsätzliche Aufnahmetipps beachtet. Wenn man allerdings auf den Einsatz von Weitwinkelobjektiven angewiesen ist und man zudem noch mit einem leistungsstarken externen Blitzgerät fotografieren möchte, kommt man um die Anschaffung einer Einsteiger-Spiegelreflexkamera nicht herum. Topmodelle aus diesem Segment erhalten Sie derzeit für rund 480 Euro, Standardmodelle ab etwa 320 Euro, sofern es nicht das allerneueste Modell sein muss.

Wer viele Immobilienfotos macht und großen Wert auf die Qualität seiner Fotos legt, ist mit einer Spiegelreflexkamera besser bedient, weil er hiermit mehr Möglichkeiten bei der Bildgestaltung hat. Eine teure Profiausstattung ist jedoch in keinster Weise erforderlich. Letzten Endes ist es der Fotograf, der für ein gutes oder schlechtes Bild verantwortlich ist, die Kamera ist nur das Werkzeug.

 

 

Ferienhaus-Inserate werden durch ein Foto vom tollen Ausblick oder von einer schönen Außenfassade aufgewertet. Doch leider spielt das Wetter oft nicht mit. Haben Sie einen Tipp, wie sich auch an einem trüben Tag eine schöne Stimmung auf dem Bild inszenieren lässt?

Wenn es zeitlich nicht anders möglich ist, als die Aufnahme an einem trüben Tag zu machen, kann die Bildbearbeitung aushelfen. Ansonsten sollte man immer darauf achten, sein Ferienhaus nicht nur bei schönem Wetter zu fotografieren, sondern auch zur richtigen Jahreszeit. Auch wenn dies mit zusätzlichem Aufwand verbunden ist, lohnt es sich in jedem Fall. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass man mit den Fotos eine Stimmung erzeugen will, die einen Interessenten zur Buchung des Objektes veranlasst.

Wer einen Kirschbaum neben seinem Ferienhaus stehen hat, der den Eingangsbereich stimmungsvoll umrahmt, sollte sein Objekt nicht im Februar fotografieren, wenn der Baum kahl ist, sondern zur Kirschblüte im Mai. Das bringt viel mehr Stimmung in das Bild. Wenn dann noch bei blauem Himmel die Sonne scheint, sind das die besten Voraussetzungen für ein perfektes Foto Ihres Ferienhauses.

Ähnliches gilt für Objekte, die überwiegend im Winter vermittelt werden. Fotografieren Sie Ihr Ferienhaus dann, wenn sehr viel Schnee liegt, besonders auf dem Dach. Ein solches Foto lockt den Wintersportler eher in Ihr Haus als ein vorschnell bei Tauwetter aufgenommenes.

 

Wer eine Außenaufnahme seines Hauses oder ein Foto eines kompletten Zimmers macht, versucht meist, alles auf das Foto zu bekommen, um einen guten Einblick zu bieten. Oft wirken die Gebäude oder Räume dann verzerrt, Linien werden schief und krumm. Wie lässt sich das vermeiden?

Hier ist zu differenzieren. Bei krummen Linien handelt es sich um einen Objektiv-, bei schiefen Linien um einen Aufnahmefehler.

Krumme Linien entstehen beim Einsatz von Weitwinkelobjektiven, die einen großen Bildwinkel abdecken, sowie bei Zoomobjektiven im unteren Preissegment, die oft schon im Standardbrennweitenbereich eine sogenannte „tonnenförmige Verzeichnung“ aufweisen. Wer häufig Immobilien fotografiert, sollte am Objektiv nicht sparen. Ansonsten lässt sich dieser Fehler mittels Bildbearbeitung sehr gut korrigieren.

Schiefe Bildlinien, besser bekannt unter dem Begriff „stürzende Linien“, entstehen dann, wenn parallele Linien im Motiv nicht parallel zur Film- bzw. Sensorebene der Kamera verlaufen (siehe nebenstehende Fotos). Das passiert immer dann, wenn die Kamera nach oben oder nach unten gekippt wird, was sich insbesondere bei Außenaufnahmen nicht immer vermeiden lässt.

 

Tipp: Da die Linien umso stärker stürzen, je näher man sich am Motiv befindet, sollte man bei Außenaufnahmen sein Haus besser aus einigem Abstand mit dem Normalobjektiv fotografieren anstelle aus kurzer Entfernung mit dem Weitwinkelobjektiv.

Bei Innenaufnahmen kommt es sehr häufig zu stürzenden Linien, wenn das Motiv von zu weit oben fotografiert wird, was meistens bei großen Personen passiert, die aus dem Stand heraus fotografieren. Eine Korrektur des Fotos mittels Bildbearbeitung ist zwar möglich, es werden aber bei der Entzerrung sehr oft Bilddetails im linken und rechten unteren Bildbereich angeschnitten, wenn diese sich zu dicht am Rand befinden.

 

Tipp: Achten Sie beim Fotografieren darauf, dass sich die Kamera in etwa auf der halben Höhe Ihres anvisierten Bildbereichs befindet, auch wenn Sie dabei etwas in die Knie gehen müssen. Ein Stativ leistet hier wertvolle Dienste. Richten Sie dann die Kamera waagerecht und senkrecht aus und freuen Sie sich anschließend über ein Foto ganz ohne stürzende Linien.

 

Ein häufiger Fehler ist ein schräger Bildausschnitt, weil die Kamera nicht exakt gerade gehalten wurde. Lässt sich dieses Problem mit der Bildbearbeitung lösen?

Das ist überhaupt kein Problem. Es entsteht hierbei allerdings eine Ausschnittsvergrößerung, da nach der Drehung des Motivs in die Waagerechte die dann schräg verlaufenden Bildränder horizontal und vertikal beschnitten werden. Dadurch können Motivteile, die zu dicht am Bildrand stehen, an- oder abgeschnitten werden.

Bei Außenaufnahmen spielt das jedoch meistens keine große Rolle. Bei Innenaufnahmen aber, bei denen sich sehr oft Gegenstände nah am Bildrand befinden, sollte man auf einen einigermaßen geraden Bildausschnitt achten, damit nicht unnötigerweise Bilddetails beschnitten werden.

 

 

Häufig lassen sich Räume nicht vollständig auf einem Bild zeigen. Dann müssen Detailaufnahmen her, die die Couch und den Fernseher zeigen, die Leseecke oder den Kamin. Wo werden hierbei die meisten Fehler gemacht?

Die Fehlerquellen sind vielfältig. Möbel, die Glasflächen aufweisen, sowie Fernsehgeräte sollte man nie direkt von vorne fotografieren, da man möglicherweise sein eigenes Spiegelbild mitfotografiert. Noch problematischer ist es, wenn man dabei mit einem eingebauten Blitzgerät arbeitet. Das führt zu starken Lichtreflexionen und Überstrahlungen, die das Foto unansehnlich machen. Fotografieren Sie das Motiv etwas seitlich, tritt dieser Effekt nicht auf. Wenn es nicht unbedingt erforderlich ist, verzichten Sie auf ein Blitzgerät oder blitzen Sie indirekt. Das Foto wirkt dadurch viel harmonischer.

Sofern Ihre Wohnung über einen Kamin verfügt, sollten Sie ihn fotografieren, wenn er brennt und ein Gefühl der Behaglichkeit ausstrahlt. Arbeiten Sie hierbei keinesfalls mit Blitz, da dieser die Stimmung zunichtemacht. Auf Detailaufnahmen von Möbeln und Einrichtungsgegenständen, die nichts Außergewöhnliches darstellen oder nicht den besonderen Charakter der Wohnung betonen, sollten Sie zugunsten aussagekräftigerer Fotos verzichten.

 

 

Vielen Vermietern fällt es schwer, einen schönen Bildausschnitt zu finden, wenn nicht alles auf dem Foto für das Inserat gebraucht wird. Worauf sollten sie Ihrer Meinung nach achten?

Der jeweilige Bildausschnitt sollte so gewählt werden, dass das Motiv einerseits groß genug und andererseits nicht eingeengt erscheint. Bei einer Außenaufnahme sieht es zum Beispiel immer gut aus, wenn um das Haus herum noch etwas Platz ist und ein Teil des Himmels abgebildet wird. Weiterhin sollte man prüfen, wie ein Foto in der Verkleinerung wirkt, also so, wie es der spätere Betrachter am Bildschirm sieht. Hat man zu viele Details im Bild, die kaum noch erkennbar sind, sollte man einen anderen Bildausschnitt wählen, der die Dinge besser zur Geltung bringt.

Generell sollte man Folgendes beachten: Fotografieren Sie Ihr Objekt niemals auf die Schnelle. Nehmen Sie sich stattdessen ein paar Stunden Zeit und fotografieren Sie dann, wenn das Wetter und die Jahreszeit passen. Machen Sie vom jeweiligen Motiv mehrere Aufnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven, von denen Sie dann später die besten auswählen.

Ganz wichtig: Behalten Sie beim Fotografieren immer den Gedanken im Hinterkopf, dass Sie die Fotos nicht für Ihr privates Fotoalbum anfertigen, sondern für einen potenziellen Mieter. Versuchen Sie, sich in dessen Perspektive zu versetzen. Fragen Sie sich: „Würden mich die Fotos ansprechen?“ Wenn nicht, machen Sie neue Aufnahmen, bis Sie zu der Einschätzung kommen: „Die Wohnung sieht gemütlich aus, die würde ich selbst auch gerne mieten.“

 

 

Bilder, die an trüben Tagen aufgenommen wurden, sind nicht brillant, sondern erscheinen grau und kontrastarm. Sind auch solche Fotos noch zu retten?

Mittels Bildbearbeitung ist das ganz einfach. Man erhöht den Kontrastumfang,  die Farbsättigung und die Dynamik. Das verbessert die Bildqualität erheblich. Die Wirkung von Licht und Schatten, die ein sonniger Tag mit sich bringt, kann hiermit allerdings nicht herbeigeführt werden.

Ein weiterer Nachteil von Fotos, die bei schlechtem Wetter aufgenommen wurden, ist: Der Himmel erscheint einheitlich grau und verbreitet alles andere als eine sommerliche Urlaubsstimmung. Dieser Makel kann per Bildbearbeitung korrigiert werden, indem der graue Himmel komplett durch einen blauen Wolkenhimmel aus einem anderen Foto ersetzt wird. Solche Fotos sind also keinesfalls verloren.

 

 

Ein häufiges Problem sind auch über- oder unterbelichtete Fotos, Lichtreflexe auf Glas oder dunkle Ecken in kleinen Räumen. Wie kann der Laie schon beim Fotografieren vorbeugen?

Gänzlich falsch belichtete Fotos sind bei dem Standard heutiger Kameras die Ausnahme. Meistens ist es der zu hohe Kontrastumfang in einer Aufnahmesituation, der selbst teuren Kameras Grenzen aufzeigt. Beispiel: Ein Raum, der nur ein Fenster hat und von der gegenüberliegenden Seite aus fotografiert wird. Durch die schlechte Raumausleuchtung muss die Kamera länger belichten und es kommt zu einer deutlichen Überbelichtung des Fensterbereiches, was sich in unansehnlichen, ausgefransten Bildbereichen bemerkbar macht.

Hier ist es besser, im manuellen Modus der Kamera zu arbeiten und die Belichtung so zu verkürzen, dass die Überstrahlung im Fensterbereich auf ein normales Maß reduziert wird. Die dadurch entstandene Unterbelichtung des Innenraums muss dann mit einem Blitzgerät korrigiert werden. Es sollte nicht frontal in Richtung Fenster geblitzt werden, da der Blitz von der Fensterscheibe reflektiert wird, störend im Bild erscheint und zu Kontrastverlusten führt. Man sollte sich stattdessen etwas seitlich platzieren, sodass sowohl das eigene Spiegelbild als auch der Blitz im Fenster nicht mehr zu sehen sind.

 

Tipp: Selbst die preiswertesten Spiegelreflexkameras verfügen im Gegensatz zu Kompaktkameras über einen Blitzkontakt, auf dem Sie ein externes Blitzgerät mit Schwenkreflektor anbringen können. Dieses ermöglicht Ihnen ein indirektes Blitzen über die Decke. Das führt zu einer wesentlich weicheren und natürlicheren Bildausleuchtung als beim direkten Blitzen.

 


Oft wirken Fotos erst durch kleine Details wie einen frischen Strauß Blumen besonders heimelig und gemütlich. Worauf sollten Vermieter achten, wenn sie ihr Wohnzimmer, die Küche oder die große Sonnenterrasse fotografieren?

Ein frischer Strauß Blumen auf dem Wohnzimmertisch und ein appetitlicher Obstkorb in der Küche sehen immer gut aus. Solche Details sollten entsprechend angerichtet werden. Dekoration ist sinnvoll und erzeugt ein Gefühl der Gemütlichkeit, aber sie sollte im Rahmen bleiben. Weniger ist oftmals mehr.

Die Sonnenterrasse sollte auch wirklich an einem sonnigen Tag fotografiert werden, möglichst zu einem Zeitpunkt, an dem sich die dort befindlichen Pflanzen in voller Blüte befinden. Das bringt wesentlich mehr Stimmung und eine Wohlfühlatmosphäre in das Bild. Beim Betrachter sollte das Gefühl aufkommen: „Toll, da würde ich jetzt gerne sein.“

 

 

Gleichzeitig können andere Dinge, die zu sehen sind, auch stören – etwa Mülltonnen im Hintergrund oder herumliegende Fernbedienungen. Wie „aufgeräumt“ sollten die Fotos sein, ohne künstlich zu wirken?

Mülltonnen sollte man nur dann mitfotografieren, wenn es unvermeidlich ist, zum Beispiel bei einer Außenaufnahme der Ferienwohnung, wenn sich der Müllcontainer direkt vor dem Haus befindet. Wenn er sich jedoch etwas davor oder seitlich befindet, sollte man den Kamerastandpunkt so wählen, dass der Container gar nicht erst auf das Bild kommt. Einzeln herumstehende Mülleimer oder -tonnen sollten unbedingt entfernt werden. Dies gilt generell für alle Gegenstände, die nicht primär etwas mit der Wohnung zu tun haben, und solche, die einem positiven Gesamteindruck eher abträglich sind.

Auf einem aufgeräumten Wohnzimmertisch darf die Fernbedienung liegen, sofern sie nicht schräg und lieblos am Tischrand platziert ist. Ansonsten sollten sich außer der Dekoration keine weiteren Gegenstände auf den Tischen befinden.

Das Bad sollte keinesfalls so aussehen wie direkt nach der letzten Dusche. Entfernen Sie vor dem Fotografieren unbedingt alle persönlichen Gegenstände wie Zahnbürsten, Duschgel, Kämme, alte Handtücher usw. Achten Sie auf sauber aufgehängte oder gestapelte Handtücher und auf aufgewickelte Elektrokabel.

 

Tipp: Richten Sie Ihre Ferienwohnung so her, wie Sie selbst gerne ein gutes Hotelzimmer oder eine gemütliche Ferienwohnung vorfinden möchten. Schaffen Sie einen Ort, an dem sich der Mieter wohlfühlt und dokumentieren Sie dieses Gefühl in Ihren Fotos.

 

 

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